Baba Jan erneut in Gefahr ‒ Solidarität!

Der Gesundheitszustand von Baba Jan, einem politischen Gefangenen in Pakistan, hat sich erheblich verschlechtert. Foto: DR, Baba Jan, https://npa2009.org/actualite/international/pakistan-baba-jan-une-nouvelle-fois-en-danger-solidarite

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Pakistan/Gilgit-Baltistan

Baba Jan erneut in Gefahr ‒ Solidarität!

Von Pierre Rousset | 24. Februar 2019

Der Gesundheitszustand des politischen Gefangenen Baba Jan hat sich erheblich verschlechtert. Eine internationale Kampagne setzt sich für eine bessere Behandlung ein.

In Gilgit-Baltistan, einem Territorium im Himalaja, das zu Pakistan gehört[i], ist Baba Jan eine sehr bekannte und populäre Persönlichkeit. Weil er Dorfbewohner*innen unterstützt hatte, die Opfer eines Stauseebaus und einer Umweltkatastrophe im Hunza-Tal geworden waren, wurde er verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. 2014 war er ein erstes Mal zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden; danach ist er ein zweites Mal verurteilt worden, weil er einen Häftlingsstreik über die religiösen Trennlinien hinweg organisiert hatte, dabei ging es darum, dass die Rechte der Gefangenen, die ihnen aufgrund der geltenden Bestimmungen zustehen, eingehalten werden (Qualität des Essens, Gesundheitsversorgung usf.).

Ein Symbol des Widerstands

Baba Jans Popularität ist bestätigt worden, als er [im Sommer 2015] im Hunza-Tal zu einer Wahl angetreten ist, das hat dazu geführt, dass er ganz schnell abgeurteilt worden ist, damit er nicht mehr kandidieren durfte. Die elementarste Gerechtigkeit ist ihm vorenthalten worden. Ein Bericht über eine gerichtliche Untersuchung der Vorfälle, die zu seiner Anklage geführt haben, ist nie veröffentlicht worden (wahrscheinlich wird er darin als unschuldig betrachtet). Er ist gefoltert und mit dem Tode bedroht worden. Zusammen mit Iftikhar Hussain, einem Mitgefangenen, ist er zu einem Symbol des Widerstands geworden.

Gilgit-Baltistan ist zum Eingangstor für China nach Pakistan geworden; die Volksrepublik baut dort einen „Korridor“ und einen strategischen Hafen aus, der ihr Zugang zum Indischen Ozean verschafft. Es muss Ordnung herrschen, Baba Jan prangert aber den chinesischen Zugriff auf das Territorium an. Ein Grund mehr, ihn nicht freizulassen.

In der letzten Zeit hat sich Baba Jans Gesundheitszustand verschlechtert. Er hat starke Schmerzen in der Brust und müsste sich einer gründlichen ärztlichen Untersuchung unterziehen, damit eine Diagnose gestellt werden kann. In den Krankenhäusern in Gilgit-Baltistan ist das nicht gewährleistet. Baba Jan selber, seine Familie, seine Freunde und seine Genoss*innen (er ist Mitglied der Awami Workers Party [und ihres „Federal Committee“[ii]]) verlangen, dass er umgehend in ein Krankenhaus in Islamabad verlegt wird. Die Behörden lehnen das bislang ab. In Gilgit und in verschiedenen pakistanischen Städten hat es Demonstrationen gegeben, weitere werden vorbereitet.

Internationale Solidarität ist nötig

Ein Aufruf zu internationaler Solidarität ist gestartet worden. Auf change.org gibt es eine Online-Petition.[iii] Vor allem in Europa zeigen sich bekannte Persönlichkeiten und Parlamentarier*innen solidarisch. Es hat bereits bedeutende Solidaritätskampagnen für Baba Jan und seine Mitgefangenen gegeben. Wir haben nicht erreichen können, dass er freikommt; aber vielleicht haben wir es erreicht, dass er nicht ermordet worden ist, das wäre ein internationaler Skandal geworden ‒ und sechs von seinen Mitgefangenen sind freigelassen worden. Die pakistanische Staatsmacht hat geglaubt, was in dem „entlegenen“ Territorium Gilgit-Baltistan geschieht, werde außerhalb der Grenzen des Landes nicht beachtet werden. Sie war ganz besonders schockiert, als das, was Baba Jan angetan wird, in einer Resolution des Europäischen Parlaments angesprochen worden ist.

Den Herrschenden in Pakistan sollte zu verstehen gegeben werden, dass sie dafür verantwortlich gemacht werden, wenn Baba Jans Gesundheit mangels rechtzeitiger Behandlung schwer geschädigt wird!

Aus dem Französischen übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Wilfried

Quelle: Pierre Rousset, „Pakistan: Baba Jan une nouvelle fois en danger! Solidarité!“
(Artikel für L’Anticapitaliste. L’hebdomadaire du NPA),
https://npa2009.org/actualite/international/pakistan-baba-jan-une-nouvelle-fois-en-danger-solidarite

Siehe auch:

Jan Malewski: „Class ,justice‘: Baba Jan and his comrades sentenced to 40 years in prison!“ International Viewpoint, Nr. 498, Juli 2016, http://internationalviewpoint.org/spip.php?article4632

Mehar Abdul Sattar: „Baba Jan’s plight“, The News International, 5. Februar 2019, https://www.thenews.com.pk/print/427909-baba-jan-s-plight;
http://www.europe-solidaire.org/spip.php?article47737

Berichte und Mitteilungen auf Englisch auf der Website der Awami Workers Party:
https://awamiworkersparty.org/?s=Baba+Jan

Zahlreiche Artikel über Baba Jan auf „Europe Solidaire Sans Frontières“ (auf Englisch und Französisch): http://www.europe-solidaire.org/spip.php?mot7650

[i] Gilgit-Baltistan, bis 2009 „Northern Areas“ genannt, ist ein pakistanisches Sonderterritorium unter Bundesverwaltung im äußersten Norden des Landes. Es ist keine Provinz des Staats Pakistan, sondern ein Teil der zwischen der Volksrepublik China, Indien und Pakistan umstrittenen Region Kaschmir (nach Wikipedia).

[ii] Vgl. https://awamiworkersparty.org/leadership/

[iii] https://www.change.org/p/government-of-pakistan-free-baba-jan-the-longest-serving-political-prisoner-in-gilgit-baltistan. Siehe auch: https://www.ipetitions.com/petition/free-baba-jan.
Die Petition „Free Baba Jan ‒ The longest serving political prisoner in Gilgit Baltistan“ auf change.org ist unterzeichnet von:
Noam Chomsky (Institute Professor [emeritus], MIT, Laureate Professor, U. of Arizona),
Eshan Ali (Awami Action Tehreek Gilgit-Baltistan),
Mir Mohammad Ali Talpur (Writer),
Amel Ouaissa (Writer),
Sadia Abbas (Professor, Rutgers University, Newark),
Tariq Ali (Writer),
Muhammad Hanif (Journalist/writer),
Aziz Ali Daad (Writer),
Farooq Tariq (Awami Workers Party),
David Graeber (London School of Economics and Political Science),
Pervaiz Vandal (Architect),
David Barsamian (Alternative Radio).

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