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Linke

LeserInnenbrief: Die Linke und der Krieg der Kulturen

Von Hagen | 1. Juli 2003

In der Linken musste man sich jüngst immer öfter den Vorwurf des Antiamerikanismus gefallen lassen. Das kratzte besonders die Ostdeutschen nicht sehr. Schon in der DDR-Schule lernten sie (zu recht), dass die USA die größte Bedrohung für den Weltfrieden sind. Das stimmt auch nach der DDR noch. Trotzdem wissen Aufgeklärte (früher wie heute), dass hier die herrschende politisch-ökonomische Kaste vor allem gemeint ist, nicht der US-Bürger unisono. Auf den Demos gegen den Irakkrieg der USA könnte man das auch deutlich hören.

In der Linken musste man sich jüngst immer öfter den Vorwurf des Antiamerikanismus gefallen lassen. Das kratzte besonders die Ostdeutschen nicht sehr. Schon in der DDR-Schule lernten sie (zu recht), dass die USA die größte Bedrohung für den Weltfrieden sind. Das stimmt auch nach der DDR noch. Trotzdem wissen Aufgeklärte (früher wie heute), dass hier die herrschende politisch-ökonomische Kaste vor allem gemeint ist, nicht der US-Bürger unisono. Auf den Demos gegen den Irakkrieg der USA könnte man das auch deutlich hören.

Hier wurden in Sprechchören die Verantwortlichen namentlich erwähnt und gekennzeichnet. Auch die bürgerliche Presse in Deutschland war diesmal eigenwillig und ungewohnt kritisch der US-Kriegspolitik auf den Fersen. Die bürgerliche Welt fragt sich seither: Geht Deutschland, d.h. Europa (wieder) eigene Wege und wo führt der hin?

Doch immer mehr nach dem Krieg werden solche Analysen verfertigt, die sich um das Kräfteverhältnis „in der Welt" mühen. In letzter Zeit wurde in diesem Zusammenhang auch in der linken Presse auf die verschiedenen geopolitischen Interessen der einzelnen imperialistischen Länder hingewiesen. Natürlich bestehen die, natürlich müssen diese erfasst und analysiert werden. In linken Zeitungen resümiert man derweil aber sogar, dass sich amerikanische `Präventivkriege` jetzt immer auch gegen Europa richten. Hm? Die Verfasser solcher Weisheiten lassen uns ziemlich allein mit solchem Satz und ich bin nicht sicher, ob der eine oder andere Leser Luxemburgs Satz aus dem Jahr 1916 kennt: „Die imperialistische Politik ist nicht das Werk irgendeines oder einiger Staaten, sie ist das Produkt eines bestimmten Reifegrads in der Weltentwicklung des Kapitals, eine von Hause aus internationale Erscheinung, ein unteilbar Ganzes, das nur in allen seinen Wechselbeziehungen erkennbar ist und dem sich kein einzelner Staat zu entziehen vermag." (R.L. Band 4, Dietz Verlag, S. 137). In diesem Sinne sollte auch der erste Abschnitt nochmals gelesen werden. Für die radikale Linke gilt es natürlich, die Kräfteverhältnisse der sich bekämpfenden imperialistischen Zentren zu erkennen und zu bewerten.

Das darf aber nicht dazu führen, dass sich die Linke national engagiert, weil sie vielleicht den amerikanischen Imperialismus gefährlicher als den europäischen einstuft. Nicht wenige „Linke" liefen zu den Antikriegsdemos selbstbewusst mit dem „Old Europe"-Aufkleber durch die Straßen. Die sind klassisch reingefallen. Das was Rosa Luxemburg 1916 so glänzend formulierte, gilt noch heute. Und weil das so ist, können wir davon ausgehen, dass ihre Zeit und die unsere sich sehr ähnlich sein müssen. Immerhin: 1916 – das war im ersten imperialistischen Weltkrieg …

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