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Soziale Bewegung (Ukraine):

Was ist falsch an der Aggression der Vereinigten Staaten gegen Venezuela?

Von Sozialnyj Ruch: | 05.01.2026

Der Morgen des 3. Januar markiert den Beginn einer groß angelegten Offensive gegen die Demokratie und den fragilen Frieden der Völker Lateinamerikas und weit darüber hinaus.

Die Ereignisse in Venezuela, wo Präsident Nicolás Maduro nach einer US-Militäroperation gefangen genommen und der Ausnahmezustand mit Mobilmachung ausgerufen wurde, sind ein weiterer Ausdruck der Verschärfung des imperialistischen Konflikts, dessen Folgen Millionen Menschen auf dem gesamten Kontinent zu spüren bekommen werden.

Die Maßnahmen der Regierung von Donald Trump können nicht als Einzelfall oder als „notwendige Reaktion“ auf die Krise betrachtet werden. Wie zuvor – von den Bombardierungen kleiner Schiffe in der Karibik und im Pazifik bis zu der Blockade als Sanktionen – handelt es sich um eine Demonstration der Stärke und der uneingeschränkten Bereitschaft der USA, ohne Gerichtsverfahren, ohne Ermittlungen und ohne Rücksicht auf das Völkerrecht Gewalt anzuwenden. Vorwände wie die Bekämpfung des Drogenhandels und der Kartelle werden benutzt, um die Aggression zu legitimieren. Der Großteil der Vorläuferstoffe für Drogen ist bis vor kurzem in China hergestellt worden. Der Anteil des Drogenhandels, der über venezolanisches Gebiet abgewickelt wird, ist im Vergleich zu anderen Ländern der Region und den Seewegen vernachlässigbar gering.

Die Ausreden, die für den Kampf gegen eine „mit Drogenkartellen verbundene Regierung“ angeführt werden, erscheinen vor dem Hintergrund der jüngsten Amnestie besonders zynisch, die Trump dem ehemaligen rechtsgerichteten honduranischen Präsidenten Juan Orlando Hernández gewährt hat, der wegen seiner Verwicklung in den Kokainhandel zu einer hohen Strafe verurteilt worden war. Er wurde freigelassen, um seinen Verbündeten bei den letzten Wahlen zu helfen. Wie im Fall des „Kampfes gegen den Terrorismus“ ist das eigentliche Ziel nicht die Sicherheit, sondern die Kontrolle über Öl- und Bodenschätze und die Errichtung eines Washington-treuen Regimes.

Gleichzeitig muss man die Dinge beim Namen nennen: Das Regime von Nicolás Maduro ist autoritär, repressiv und zutiefst korrupt. Es hat nichts mit sozialistischer Demokratie zu tun, auch wenn es sich hinter dem Erbe von Hugo Chávez und bolivarischer Rhetorik versteckt. Neben den zerstörerischen Sanktionen der USA ist es gerade die Politik der Maduro-Regierung, die für den wirtschaftlichen Zusammenbruch, die soziale Katastrophe, die außergerichtlichen Hinrichtungen, die Unterernährung und die Massenauswanderung von Millionen Venezolaner:innen verantwortlich ist. Die Maduro-Führung hat die Errungenschaften der Massenbewegungen und Sozialprogramme der Chávez-Ära zunichte gemacht und die Idee der Linken in der Region diskreditiert. Das Regime verhält sich der Bevölkerung gegenüber parasitär und hält sich dank der Sicherheitskräfte, der Einschränkung der Freiheiten und der Unterstützung von außen, vor allem aus Russland, an der Macht.

Der Kreml ist zu einem der wichtigsten Verbündeten von Caracas bei der Aufrechterhaltung eines autoritären Machtmodells geworden. Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, ist mehrmals nach Venezuela gereist, unter anderem im April 2023 im Rahmen einer Reise nach Brasilien, Venezuela, Nicaragua und Kuba, um politische Unterstützung für den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu mobilisieren. Während er nicht so verhasst ist wie Daniel Ortega, der Verräter der sandinistischen Revolution in Nicaragua, erklärte Präsident Maduro zu Beginn der groß angelegten Invasion seine „volle Unterstützung“ für Russland, und öffentliche Institutionen und Medien verbreiteten aktiv die Interpretation der Ereignisse durch den Kreml.

Es ist jedoch ein schwerer Fehler, das Maduro-Regime mit der venezolanischen Gesellschaft gleichzusetzen.

Trotz massiver Propaganda hat die Mehrheit der Venezolaner:innen die pro-russischen Diskurse nicht übernommen. Bereits in den ersten Tagen der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 gingen die Menschen auf die Straße, um gegen die Aggression zu protestieren – in einem Land, in dem Demonstrationen regelmäßig kriminalisiert und aufgelöst werden. Venezolaner:innen schwenkten ukrainische Flaggen, skandierten „Stop Putin“ und kritisierten offen das Bündnis ihrer Regierung mit dem Kreml.

Diese Solidarität mit der Ukraine hat tiefe Wurzeln. Seit der Zeit des Euromaidan betrachten viele Venezolaner:innen den Kampf der Ukraine als nah und verständlich: einen Kampf gegen eine korrupte Macht, ausländische Kontrolle und Autoritarismus. Die Sympathie für die Ukraine entspringt nicht nur einer ablehnenden Haltung gegenüber dem Krieg, sondern auch einer Ablehnung ausländischer Einflussnahme, die für das Überleben des Maduro-Regimes ebenso entscheidend ist wie für das Regime von Wladimir Putin – beide werden derzeit vom Internationalen Strafgerichtshof untersucht.

Seit 1999 pflegen die Ukraine und Venezuela freundschaftliche Beziehungen, die unter der Ägide des ukrainischen Außenministers Borys Tarasjuk, der von dem damaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez empfangen wurde, angefangen haben. Interessanterweise ist der venezolanische Konsul in Russland zur Zeit von Chávez, José David Chaparro, 2022 der Internationalen Territorialen Verteidigungslegion der Ukraine beigetreten und hat er sich um den Wiederaufbau der von russischen Truppen zerstörten Städte gekümmert.

Deshalb kann die derzeitige Aggression der Vereinigten Staaten auch mit der Kritik an Maduro nicht gerechtfertigt werden. Indem die USA in ihrer jüngsten „Nationalen Sicherheitsstrategie“ ihre Absicht bekunden, Lateinamerika und die Karibik im Sinne der „Monroe-Doktrin“ wieder in eine untergeordnete „Hinterhof“-Rolle zu drängen, versucht der US-amerikanische Imperialismus, die Region von allen Regimes zu „säubern“, die nicht seinen wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen entsprechen, und gleichzeitig die rechtsextremen Kräfte zu stärken.

Die Isolierung der progressiven Regierung in Kolumbien und die Bedrohung einer ähnlichen Regierung in Mexiko, die Stärkung des Bündnisses mit dem rechtsextremen Regime in Argentinien auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler:innen, die Unterstützung neofaschistischer Revanchisten in Brasilien unter der Führung von Jair Bolsonaro die Nutzung des berüchtigten Mega-Gefängnisses des repressiven Bukele-Regimes in El Salvador zur Inhaftierung von aus den USA abgeschobenen Personen – all dies ist Teil einer Strategie zur Wiederherstellung der Hegemonie von Washington in Lateinamerika. Es ist bezeichnend, dass die Venezuela-Angelegenheiten während der vorherigen Amtszeit von Trump von demselben Elliot Abrams überwacht wurden, der zu Reagans Zeiten für die Ausbildung der „Todesschwadronen“ der antikommunistischen Diktaturen verantwortlich war, die mehr als 90 % der Verbrechen in den Bürgerkriegen in den mittelamerikanischen Staaten begangen haben, wie beispielsweise das Massaker an tausend Einwohnern des Dorfes El Mozote in El Salvador.

Ein von außen aufgezwungener „Regimewechsel“ wird die soziale Katastrophe nur noch verschlimmern. Genau wie Trumps rassistische Politik gegenüber venezolanischen Flüchtlingen ist dieser Krieg Teil einer Politik der Missachtung menschlichen Lebens. Auch wenn sie keine direkten Opfer fordert (die Invasion der US-Marines 1989 zur Absetzung des Diktators und Drogenhändlers Noriega, der noch bis kurz vorher ein Kunde der CIA im Kampf gegen die revolutionären Bewegungen in der Region war, forderte mindestens hundert Todesopfer unter der Zivilbevölkerung), wird die Destabilisierung von außen zu neuen inneren Umwälzungen führen.

Darüber hinaus stellt auch die mögliche Machtübernahme durch den „trumpistischen“ Flügel der Opposition eine Gefahr dar. So wie Maduro eine Karikatur auf den Sozialismus ist, ist der ultrarechte und ultrakapitalistische Kurs von María Corina Machado, die nach Erhalt des Friedensnobelpreises mehrfach betont hat, sie würde ihn lieber an Trump weitergeben und dessen Intervention gegen ihr eigenes Land unterstützen, eine Karikatur auf die demokratische Bewegung. Im Gegensatz dazu betont die linke Opposition gegen den Madurismus, die zunehmend enttäuschte Anhänger:innen der bolivarischen Revolution um sich schart, die Unannehmbarkeit eines militärischen Szenarios und die Tatsache, dass das Schicksal Venezuelas von den Venezolaner:innen selbst und nicht von führenden imperialistischen Politiker:innen entschieden werden muss.

Kampf gegen die Diktatur von Maduro und Kampf gegen den US-Imperialismus sind kein Widerspruch. Sie sind zwei Seiten desselben Konflikts, in dem die Völker zu Geiseln geopolitischer Machenschaften geworden sind. Deshalb ist es heute notwendig, von Solidarität mit der venezolanischen Bevölkerung zu sprechen, derselben Solidarität, die die Venezolaner:innen gegenüber der Ukraine in ihrem Widerstand gegen die russische Aggression gezeigt haben.

Das venezolanische Volk kämpft gegen das imperialistische Joch und ist Geisel des räuberischen Regimes von Maduro.

Venezuela, auch wir leisten Widerstand gegen den Imperialismus!

Dieser Artikel ist am 3. Januar 2026, wenige Stunden nach dem Bekanntwerden der Angriffe der US-Streitkräfte gegen Venezuela, verfasst und auf der Webseite der ukrainischen Organisation Sozialnyj Ruch (Soziale Bewegung) veröffentlicht worden. Aus dem Französischen übersetzt von Wilfried.

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