Simon Hannah gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Positionen der Linken nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und erläutert, wie Lenins Position des „revolutionären Defätismus“ im aktuellen Krieg zu verstehen ist.
„Die Massen betrachten die Angelegenheit praktisch und nicht theoretisch.“
(Wladimir Iljitsch Lenin)[i]
Die Debatte in der Linken über den Krieg in der Ukraine hat ernsthafte Meinungsverschiedenheiten in internationalen Fragen offenbart, die sich seit über einem Jahrzehnt zusammenbrauen und vertiefen. Von 2001 bis 2011 herrschte in der sozialistischen Linken allgemeine Einigkeit über die Frage des Imperialismus und die Antwort darauf. In dieser Zeit gab es eindeutige und offensichtliche Angriffe auf souveräne Länder wie Afghanistan und den Irak durch die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und andere imperialistische Kräfte. Diese nackte imperialistische Aggression löste weltweite Massenbewegungen gegen den sogenannten „Krieg gegen den Terror“ aus.
Für Sozialist:innen war die Invasion des Irak und Afghanistans so einfach wie die Invasion der USA in Vietnam: Man war gegen den Krieg und unterstützte das Recht der Menschen in diesem Land, sich gegen die Kolonialisierung zu wehren. Man hat ein Land nicht aufgrund der Art seiner Regierung oder der Führung seiner nationalen Widerstandsbewegung verteidigt (oder nicht), genauso wenig wie man die nationalen Bestrebungen der Palästinenser:innen aufgrund der reaktionären Politik der Hamas abgelehnt hat. Es ist ein grundlegender Punkt, nicht einmal ein sozialistischer, sondern ein bürgerlich-demokratischer, dass eine Nation ein Recht auf Selbstbestimmung hat und eine andere Nation nicht mit Raketen und Panzern zum Regimewechsel gezwungen werden sollte. Das sind alles ziemlich klare und offensichtliche Beispiele, so offensichtlich, dass der Großteil der sozialistischen Linken sich damals einig war.
Eine neue Form von Campismus
Doch 2011 begann in Libyen eine Divergenz und ein Zerbrechen der allgemeinen Perspektive. Während des arabischen Frühlings kam es in Libyen zu einem bewaffneten Aufstand verschiedener ethnischer Gruppierungen gegen Muammar al-Gaddafi, der zunächst unorganisiert und chaotisch verlief. Dies war der erste Krieg im 21. Jahrhundert, bei dem die Frage der imperialistischen Teilung und Neuaufteilung komplizierter wurde. Dies lag zunächst an der Rolle, die die demokratischen Bewegungen gegen die „antiimperialistischen“ Diktaturen spielten. Dann begannen einige in der Linken zunehmend, die Rolle anderer imperialistischer Mächte, die nicht in Westeuropa oder Nordamerika lagen, nämlich Russland und China, herunterzuspielen.
„Es ist ein grundlegender Punkt, dass eine Nation ein Recht auf Selbstbestimmung hat und eine andere Nation nicht mit Raketen und Panzern einen Regimewechsel durchführen sollte.“
Die NATO witterte die Gelegenheit, ein Regime zu stürzen, das dem Westen schon oft ein Dorn im Auge gewesen war, und griff zur Unterstützung des Aufstands ein, indem sie Luftunterstützung leistete, um die totale Vernichtung durch Gaddafis Streitkräfte zu verhindern. Der westliche Imperialismus feierte damit nicht den Volksaufstand, sondern verfolgte das pragmatische Kalkül, dass der Sturz Gaddafis im Interesse der westlichen Imperialisten lag. Es lag natürlich auch im Interesse der Libyer:innen.
Eine deformierte Sichtweise
Dann folgte Syrien. Die anfängliche Bewegung für demokratische Rechte wurde von Baschar al-Assads Regime brutal niedergeschlagen, das hat das Land in einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg gestürzt. Die westlichen Imperialisten griffen in diesem Fall weit zögerlicher ein, während der russische Imperialismus seinen Verbündeten Assad gerne unterstützte, indem er Material, Söldner und Militärberater schickte und die Regierung finanziell unterstützte. Auch der Iran und die Hisbollah griffen ein, um den Volksaufstand niederzuschlagen. Die Vereinigten Staaten intervenierten im Norden Syriens, um die kurdischen YPG (Volksverteidigungseinheiten) bei der Bekämpfung von ISIS zu unterstützen, wobei sie jedoch nicht dazu beitragen wollten, das Militär der syrischen Regierung zu zerstören. Dieser Konflikt führte zu einer großen Spaltung in der internationalen Linken, die sich entweder auf die Seite des Aufstands und der Kurd:innen oder auf die Seite des Assad-Regimes stellte, weil es „antiimperialistisch“ sei, obwohl es in Wirklichkeit vom russischen Imperialismus abhängig war. Einige Linke standen dem arabischen Aufstand gegen Assad zwiespältig gegenüber, hatten aber sehr große Sympathien für die Kurd:innen, weil sie in ihnen einen echten nationalen Befreiungskampf mit linker Politik sahen. Am Ende wurde die Volksrevolution niedergeschlagen, und ein Teil der Linken bejubelte den Fall von Aleppo – dieselbe Art von „Linken“, die 1956 den Einmarsch russischer Panzer in Ungarn unterstützten, mit dem dort einen Arbeiteraufstand niedergeschlagen wurde.
Der Fall Ukraine
Nun hat der Krieg in der Ukraine einen heftigen Streit über Taktik und Strategie ausgelöst – und eine völlige Uneinigkeit über die Rolle des Imperialismus in diesem Konflikt. Die wesentliche Meinungsverschiedenheit besteht in der Frage, inwieweit die Ukraine das Recht hat, sich gegen eine Invasion einer imperialistischen Macht zu verteidigen. Einige „Linke“ jubeln Russland zu und glauben, dies sei ein von Russland geführter Krieg, um die Ukraine zu entnazifizieren. Ich werde mich mit diesem Argument nicht befassen, weil es so offensichtlich lächerlich ist. Andere wiederum kommen zu diesem Schluss: Weil sich die Ukraine im Einflussbereich des Westens befindet – sie hat beispielsweise um den Beitritt zur NATO gebeten –, seien Wolodymyr Selenskyj und seine Regierung Treuhänder von Washington/London/Paris/Berlin. Daher wird dies als ein Beispiel für einen interimperialistischen Krieg zwischen Russland und dem Westen aufgefasst, der durch seinen Stellvertreter in Kiew kämpfen ließe.
Sozialist:innen, die der Ukraine aufgrund der Politik der ukrainischen Regierung das Recht absprechen, sich gegen die Invasion einer imperialistischen Macht zu verteidigen, verleugnen jegliches Verständnis für die nationale Frage und die Art und Weise, wie das ukrainische Volk tatsächlich auf die russische Invasion reagiert. Sie verweigern das Recht auf Selbstbestimmung in der Praxis, weil ihnen die ukrainische Regierung nicht gefällt, was für das hier diskutierte Prinzip irrelevant ist. Bei einem Räsonieren dieser Art dürfte niemand die Tamil Tigers, die Hamas-Kämpfer oder sogar die irischen Republikaner unterstützen, die alle in einer Reihe von Fragen reaktionäre Positionen vertraten (oder weiter vertreten) und pro-kapitalistisch waren. Oder sie benutzen die Ausrede, die Ukraine wolle der NATO beitreten, um zu suggerieren, sie sei im Grunde selbst eine imperialistische Macht.
Da die Ukraine als Stellvertreterin des Westens angesehen wird und Panzer- und Flugabwehrraketen erhält, setzen manche ein Gleichheitszeichen zwischen Russland und der Ukraine und ziehen den Schluss, beide Seiten sollten verlieren. Wie können beide Seiten verlieren? In Wirklichkeit gäbe es eine langwierige Pattsituation, die sich über Jahre hinzieht und unzählige Tote fordert.
Mythen und Realitäten
Andere versuchen, nuancierter zu sein, und sagen, die Menschen in der Ukraine sollten Widerstand leisten, aber zuerst ihre Regierung stürzen, weil ihre Regierung den westlichen Imperialismus unterstützt. Die ukrainische Arbeiterklasse, argumentieren sie, muss angesichts einer tatsächlichen Invasion mit russischen Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, die sich ihren Weg in die großen Städte bahnen, auf magische Weise eine klassenbewusste Massenbewegung bilden. Diese wäre vermutlich revolutionär, sie würde die reaktionäre Rolle der NATO und des westlichen Imperialismus vollständig verstehen und die Regierung erfolgreich stürzen, bevor sie eine Regierung nach Art der Pariser Kommune ausruft. Erst dann ist es legitim, „sozialistische Verteidigung“ des Landes zu betreiben. Wie nützlich ist es doch für das ukrainische Volk, wenn Sozialist:innen im Westen sich wünschen, ihre politische Situation wäre völlig anders und sehr viel günstiger.
„Wenn Sozialist:innen ihr Denken von einer allzu simplen Sichtweise der internationalen Beziehungen leiten lassen, dann werden [wir] auf dem falschen Fuß erwischt. Wir können nicht einfach ein Minus setzen, wo die westliche Bourgeoisie ein Plus setzt.„
Es ist verständlich, dass das ukrainische Volk – selbst diejenigen, die Selenskyj und seine Politik nicht mögen und aktiv bekämpft haben – als Reaktion auf den Einmarsch einer Armee unter dem Kommando von denjenigen, die das Abschlachten der syrischen Revolution und die Zerstörung von Grosny geleitet haben, sein Land und seine Gemeinschaften gegen die russische Besatzung verteidigt. Wie Lenin es ausgedrückt hat: „Wenn der Arbeiter sagt, daß er das Vaterland verteidigen will – so spricht aus ihm der Instinkt des unterdrückten Menschen.“[ii]
Militarisierung
Nun liegt es auf der Hand, dass die Selenskyj-Regierung gestürzt werden muss, genauso wie die von Wladimir Putin, genauso wie die von Joe Biden, die von Boris Johnson, die von Viktor Orbán, wie jede andere bürgerliche Regierung. Und der Krieg in der Ukraine bietet eine Chance für eine revolutionäre Explosion gegen die bestehende Ordnung.[iii] Um aber von der Meinung „die Russen sind einmarschiert, wir müssen unsere Heimat verteidigen“ zu der Überzeugung „alle Macht dem ukrainischen Sowjet“ zu kommen, bedarf es ernsthafter Einheitsfrontarbeit an der Seite der großen Masse des ukrainischen Volkes, die von der Regierung in die Volksverteidigungseinheiten mobilisiert worden sind. Es bedeutet, den Massen einen Schritt voraus zu sein, nicht zehn Meilen.
Die Schaffung der Volksverteidigungseinheiten bedeutet, dass es in der Ukraine nun eine bewaffnete Miliz gibt, die über eine äußerst rudimentäre Ausbildung an den Waffen verfügt. Sozialist:innen, die für einen Boykott dieser Einheiten eintreten, sind praktisch Pazifist:innen, auch wenn sie Lenin zitieren, um ihre Position zu rechtfertigen. Lenin vertrat die Auffassung, die „Militarisierung“ der Gesellschaft während eines Krieges sei einer der wenigen positiven Aspekte des Krieges:
Heute militarisiert die imperialistische (…) Bourgeoisie nicht nur das ganze Volk, sondern auch die Jugend. Morgen wird sie meinetwegen die Frauen militarisieren. Wir antworten darauf: Desto besser! Nur immer schneller voran – je schneller, desto näher ist der bewaffnete Aufstand gegen den Kapitalismus. Wie können sich die Sozialdemokraten durch die Militarisierung der Jugend usw. einschüchtern oder entmutigen lassen, wenn sie das Beispiel der Kommune nicht vergessen.[iv]
Lenin schreibt hier über die Bewaffnung einer imperialistischen Nation, nicht einmal einer Halbkolonie oder Kolonie.
Über Waffen und deren Herkunft
Einige Sozialist:innen sind für das Recht der Ukrainer:innen auf Widerstand gegen die Besatzung eingetreten, aber auch dafür, die westlichen imperialistischen Nationen dürften kein Material und keine Waffen für den Kampf liefern. Sie sind der Ansicht, Lieferungen von Panzerabwehrwaffen aus London würde den Klassencharakter des nationalen Widerstands grundlegend ändern, daher sei es nicht zulässig ist, den Ukrainer:innen Waffen zu schicken. Andere behaupten, Waffen dürften nur an Organisationen der Arbeiterklasse in der Ukraine geschickt werden sollten, aber solange man solche Organisationen nicht benennt und dies nicht in die Praxis umsetzt, ist dies nur eine Ausrede, um eine umfassendere Bewaffnung des Landes nicht zu unterstützen. Angesichts der russischen Armee ist die Aufforderung, den ukrainischen Widerstand zu entwaffnen, im Wesentlichen eine Aussage, Russland solle umstandslos gewinnen.
Die Frage, wer einer nationalen Befreiungsbewegung oder einem Land, das sich gegen eine imperialistische Invasion wehrt, Waffen liefert, ist zweitrangig gegenüber der Tatsache des legitimen Kampfes selbst. Es war richtig, dass die Kosovaren in den 1990er Jahren Waffen aus dem Westen erhielten. Es war richtig, dass der syrische Widerstand und die Kurd:innen während der syrischen Revolution Waffen erhalten haben. Kommen diese Waffen mit daran geknüpften Bedingungen? Manchmal ja, aber wir können die Autonomie von Menschen, die einen legitimen Freiheitskampf führen, nicht wegen imperialistischer Machenschaften ignorieren.
Imperialismen und beherrschte Länder
Einige in der Linken haben offenbar die Schlussfolgerung gezogen, dass sich jede ärmere Halbkolonie in dem Imperialismus des modernen Weltsystems im Einflussbereich eines anderen imperialistischen Landes befindet, so dass die nationale Frage überflüssig ist. Dieser Gedanke ist nicht neu. In der Junius-Broschüre[v] argumentierte Rosa Luxemburg, die Welt sei durch den Imperialismus aufgeteilt worden, daher seien alle Konflikte in einem gewissen Maße imperialistische Konflikte. Deshalb gehöre die nationale Frage der Vergangenheit an, und jetzt sei nur noch der Sozialismus das Gebot der Stunde. Das Problem dabei ist, dass dabei echte nationale Fragen völlig außer Acht gelassen werden – zum Beispiel, wenn das eigene Land von einer viel mächtigeren Nation gleich nebenan überfallen wird, deren Führer[vi] Aufsätze veröffentlicht, in denen es heißt, das eigene Land sei ein Fehler und solle nicht mehr existieren.
Lenin schrieb 1916, zum Teil als Antwort auf diese Art von Argumenten:
Die Tatsache, daß der Kampf gegen eine imperialistische Regierung für die nationale Freiheit unter bestimmten Bedingungen von einer andern „Großmacht“ für ihre ebenfalls imperialistischen Ziele ausgenutzt werden kann, kann die Sozialdemokratie ebensowenig bewegen, auf die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Nationen zu verzichten, wie die mehrfachen Fälle der Ausnutzung der republikanischen Losungen durch die Bourgeoisie in ihrer politischen Betrügerei und Finanzräuberei zum Beispiel in romanischen Ländern die Sozialdemokratie auf ihren Republikanismus zu verzichten bewegen können.[vii]
Diese Fragen sind von entscheidender Bedeutung, weil wir in eine multipolare Welt eintreten, in der eine auf dem Kalten Krieg basierende Analyse nicht mehr ausreicht. In dem Maße, in dem Russland und China ihre wachsende imperialistische Macht ausspielen, wird es mehr Konflikte geben, in denen ein ärmeres Land oder eine ethnische Gruppe den Westen um Hilfe bitten könnte, und wenn Sozialist:innen ihr Denken von einer allzu vereinfachten Sicht der internationalen Beziehungen leiten lassen, dann wird die sozialistische Linke auf dem falschen Fuß erwischt. Wir können nicht einfach ein Minuszeichen setzen, wo die westliche Bourgeoisie ein Pluszeichen setzt. Wir müssen die Theorie nutzen, um zu erhellen und zu erklären, nicht um Barrieren gegen die Realität zu errichten.
Der Konflikt in der Ukraine hat auch dazu geführt, dass einige Sozialist:innen zur Niederlage von beiden Konfliktparteien aufrufen und sich dabei auf eine Politik stützen, für die Lenin in den Jahren 1914 bis 1916 eingetreten ist. Im weiteren Verlauf dieses Artikels wird untersucht, was diese Politik in der Praxis bedeutete – und was nicht – und welchen Nutzen sie für die Entwicklung einer kohärenten sozialistischen Politik für die heutige Ukraine hat.
Was bedeutet „revolutionärer Defätismus“?
Lenins Standpunkt zum interimperialistischen Krieg scheint recht einfach zu sein:
Die Bourgeoisie aller imperialistischen Großmächte, Englands, Frankreichs, Deutschlands, Österreichs, Rußlands, Italiens, Japans, der Vereinigten Staaten, ist so reaktionär geworden und vom Streben zur Weltbeherrschung durchdrungen, daß jeder Krieg seitens der Bourgeoisie dieser Länder nur reaktionär sein kann. Das Proletariat soll nicht nur gegen jeden solchen Krieg sein, sondern auch die Niederlage ,seinerʻ Regierung in solchen Kriegen wünschen und zur revolutionären Erhebung benutzen, wenn eine solche Erhebung zur Verhinderung des Krieges mißlingt.[viii]
Jeder klassenbewusste Arbeiter wird den Aktionen seiner Regierung und seiner Kapitalistenklasse in einem Krieg misstrauisch gegenüberstehen, unabhängig davon, ob die Nation imperialistisch ist oder nicht. In einem imperialistischen Krieg wird eine klassenbewusste Arbeiterin den kriegstreiberischen Politiker:innen und den Aufrufen der Bosse zur „Einheit in den Kriegsanstrengungen“, zur Verlängerung der Arbeitszeit, zur Beschleunigung der Produktion, zu unbezahlter Arbeit am Wochenende, zum Verbot von Streiks und öffentlichen Versammlungen usw. mit Verachtung begegnen. Ihr wollt nicht, dass eure Regierung siegt, weil ihr wisst, dass ungezügelter Nationalismus, Patriotismus und Jingoismus das Ergebnis sein werden – Feinde des Sozialismus. Sie wird die Massen durch die Verherrlichung der Erfolge der Nation an ihre Bourgeoisie binden, das untergräbt und schwächt das Klassenbewusstsein.
Es ist etwas Wahres daran, dass ein schlecht verlaufender imperialistischer Krieg zum Anwachsen einer Stimmung der Radikalisierung gegen die Regierung beiträgt. Die russische Revolution von 1917 war größtenteils deshalb möglich, weil der Krieg für Russland so katastrophal verlief, dass er unsägliches Elend in der Heimat verursachte und die Bauern, die zum Kämpfen und Sterben in den Krieg geschickt wurden, es satt hatten und Frieden wollten. Wäre der Krieg gut verlaufen und wäre Russland unter der brillanten Führung des Zaren in andere Länder eingerückt, um neue Gebiete zu erobern, dann hätte dies nur zu einem viel stärkeren Nationalismus in der Bevölkerung geführt. Die Februar- und die Oktoberrevolution hätten wahrscheinlich nicht stattgefunden.
Auch als der Vietnamkrieg für die USA schlecht lief, verschärfte und vertiefte das Gefühl einer wachsenden nationalen Krise andere soziale Widersprüche in den Vereinigten Staaten, es verband sich mit anderen Themen, insbesondere mit dem Kampf gegen Rassismus, und führte zu Radikalisierung. Das Gefühl, dass sich die Regierung in einer Krise befindet und dass ihre imperiale Macht versagt, trägt dazu bei, der Arbeiterklasse und den Unterdrückten ein Gefühl der Stärke und der Entschlossenheit zu geben, sich zu organisieren und an anderen Fronten zur Wehr zu setzen – auch wenn es die herrschende Klasse an der Heimatfront noch bösartiger und gewalttätiger werden lässt, um die Ordnung aufrechtzuerhalten.
Fasst man alle Parolen, die zu den jeweiligen Zeitpunkten des Krieges ausgegeben wurde, als praktische und unmittelbare Aufforderung zum Handeln auf, besteht das Problem darin, dass dadurch verschiedene Ebenen von Analyse und Aktivitäten zusammen- und durcheinander gebracht werden. Lenins Position zum Defätismus war weitgehend eine propagandistische Reaktion auf den Verrat am Sozialismus, der in der Vaterlandsverteidigung bestand, dadurch dass Sozialdemokraten in ganz Europa plötzlich begannen, die Kriegsziele ihrer eigenen Regierung zu unterstützen, weil sie akzeptierten, dass es sich um „defensive“ Konflikte handelte. Die Parole der „Verteidigung des Vaterlandes“ war verwerflich, weil sie eindeutig eine Lüge war, um einen aggressiven Expansionskrieg zu fördern. Ein großer Teil der imperialistischen Propaganda rund um den Ersten Weltkrieg bestand in den Behauptungen, der Krieg sei immer von jemand anderem begonnen worden und jedes kriegführende Land würde nur defensiv auf die Aktionen seiner kriegführenden Nachbarn reagieren. Der Kapitulation der Sozialist:innen vor den imperialistischen Kriegszielen ihrer herrschenden Klasse entgegnete Lenin mit seiner Politik des Defätismus.
Die konkreten Formen der Losung
Es gibt eine harte und eine weiche Lesart dessen, was die logischen praktischen Schlussfolgerungen von revolutionärem Defätismus bedeuten können. Die weichere Bedeutung ist, dass man in einem imperialistischen Krieg die Kriegsziele der eigenen Regierung nicht bejubelt und prinzipielle Slogans wie „keinen Pfennig und keinen Menschen für die Kriegsmaschinerie“ aufstellt. Ihr nutzt jede militärische Niederlage in eurer Agitation, um aufzuzeigen, dass der Krieg sinnlos ist, unnötiges Blutvergießen verursacht und dass die Regierung gestürzt werden sollte, weil sie uns alle im Namen der Großindustriellen in diesen Schlamassel gebracht hat. Ihr setzt den Klassenkampf fort – und verschärft ihn sogar, wo ihr könnt – ungeachtet der Appelle zur nationalen Einheit von Gewerkschaftsführer:innen und bürgerlichen Politiker:innen.
Es gibt eine härtere Lesart, auf die Lenin manchmal verwies und die für einige Sozialist:innen zu einer Art Orthodoxie geworden ist, vor allem als Ergebnis eines Fraktionskampfes in der russischen kommunistischen Partei in den 1920er Jahren. Nach dieser Interpretation wünscht man nicht nur die Niederlage der eigenen Regierung, sondern sollte man aktiv auf die militärische Niederlage der Kriegsanstrengungen hinarbeiten, indem man Sabotage betreibt, „die Offiziere erschießt“ und so weiter. Lenin vertrat in der Tat die Auffassung, die Niederlage Russlands durch die deutsche Armee sei ein „kleineres Übel“ gegenüber dem Sieg des Zarismus, nach Lenins Ansicht die barbarischste und reaktionärste Regierung in Europa.
Das Problem mit dieser Sichtweise ist, wie der Sozialist Hal Draper aufgezeigt hat[ix], dass sie nicht wirklich mit dem übereinstimmt, was die Bolschewiki in Russland sagten, auch nicht mit den praktischen Folgen der Defätismus-Parole. Erstens herrschte unter den Bolschewiki in der Frage des Defätismus keine wirkliche Einigkeit, da dieser Ausdruck in Lenins Schriften zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Bedeutungen hatte. Die meisten hielten sich an die weichere Lesart, über die es kaum Meinungsverschiedenheiten mit anderen Antikriegs-Sozialist:innen gab. Die Defätismus-Parole in ihrer härtesten Form war aber keine operative Politik für die Agitation unter den Soldatenmassen, sondern eine polemische Reaktion auf den Absturz so vieler Sozialist:innen in die Politik der „Verteidigung des Vaterlandes“. (Stellt euch vor, ihr verteilt Flugblätter an neunzehnjährige wehrpflichtige Soldaten, auf denen steht, dass eure Politik darin besteht, dass sie „in einem Leichensack nach Hause kommen.“)
Schauen wir uns die praktischen Positionen an, für die die Bolschewiki auf internationalen Antikriegskonferenzen eintraten, insbesondere auf der entscheidenden Konferenz in Zimmerwald, auf der mit keinem Wort von „revolutionärem Defätismus“ die Rede war; stattdessen konzentrierten sie sich auf die Fortsetzung des Klassenkampfes im eigenen Land und die Politisierung von allen betrieblichen Kämpfen, so dass sie zu allgemeineren Kämpfen gegen Kapitalismus und Imperialismus wurden.
Den Auftakt zu diesem Kampf [für den Sozialismus] bildet der Kampf gegen den Weltkrieg, für die schleunige Beendigung des Völkergemetzels. Dieser Kampf erfordert die Ablehnung der Kriegskredite, den Austritt aus den Ministerien, die Denunzierung des kapitalistisch-antisozialistischen Charakters des Krieges von den Tribünen der Parlamente, in den Spalten der legalen und, wo nötig, illegalen Presse, die schroffste Bekämpfung des Sozialpatriotismus und die Ausnützung jeder durch die Kriegsfolgen des (Not, grosse Verluste usw.) verursachten Bewegungen des Volkes zur Organisation von Strassendemonstrationen gegen die Regierungen, die Propaganda der internationale Solidarität in den Schützengräben, die Förderung der ökonomischen Streiks, das Bemühen, sie bei günstigen Bedingungen in politische zu verwandeln. „Burgkrieg, nicht Burgfriede ist die Losung!“[x]
Theorie und Praxis
Lenins Position zum revolutionären Defätismus weist zwar eine gewisse Klarheit auf, doch was bedeutete sie in der Praxis? Lenin warnte: „Das bedeutet keineswegs, daß man ,Brücken sprengenʻ, erfolglose Militärstreiks inszenieren und überhaupt der Regierung helfen soll, den Revolutionären eine Niederlage beizubringen.“[xi] Aber was ist mit Agitation in der Armee? Es ist eine bei einigen Sozialist:innen verbreitete Ansicht, die bolschewistische Agitation in der Armee habe sich auf radikale Aktionen konzentriert, einschließlich der Aufforderung an die Soldaten, ihre Offiziere zu erschießen, und an ganze Regimenter, sich zu erheben und gegen die regierungstreuen Truppen und nicht gegen die ausländische Macht zu kämpfen.
Die Parole der „Verwandlung des imperialistischen Krieg in einen Bürgerkrieg“ wird als unmittelbare Aufforderung an Soldaten und Arbeiter:innen verstanden, eine zweite Front im eigenen Land zu eröffnen und für den Sturz der Regierung zu kämpfen, während es einen Einmarsch in das eigene Land gibt. Es ist ein Aufruf, über den die heutigen Sozialist:innen jedoch selten taktisch nachdenken. Sie werfen die Parole als Prinzip in die Runde, als ob es von Anfang an darum ginge, dass die Soldaten ihre Waffen gegen ihre eigene Regierung richten sollten. Aber diese allgemeine revolutionäre Losung in eine taktische Forderung bei unmittelbarem Kriegsausbruch umzuwandeln, ist nur ultralinkes Getue. Die tatsächlichen Folgen des Versuchs, einen Bürgerkrieg anzuzetteln, wenn das Bewusstsein der Arbeiterklasse überwiegend auf den Wunsch ausgerichtet ist, ihre nationalen Rechte zu verteidigen, bedeuten für die Linke Isolation und Tod.
Stattdessen konzentrierte sich die praktische Politik der Bolschewiki in der Armee auf die allgemeine Agitation gegen den Klassencharakter des Krieges, die Aufklärung der Arbeiter:innen und Soldaten über die Bedeutung des Imperialismus und die Anprangerung der Kriegsziele der Regierung. Ab Ende 1916 bis zum Sommer 1917 konzentrierten sich die Forderungen der Bolschewiki zunehmend auf die Rechte der Soldaten.
Vom Antimilitarismus zur Revolution
Der entscheidende Wendepunkt für die Bolschewiki in Russland lag nach dem Februar 1917, als der Zarismus durch eine Volksrevolution gestürzt wurde und ein liberal-demokratisches Regime unter Alexander Kerenski an seine Stelle trat, das erklärte, es wolle den Krieg fortsetzen. Einige Linke gingen damit nach dem Februar konform und argumentierten, die Aufgabe bestehe darin, ein liberaleres und demokratischeres Russland gegen den deutschen Kaiser zu verteidigen, da sich der Charakter der Regierung nun geändert habe. Lenin und seine Genoss:innen blieben jedoch bei ihrer Opposition, und als der Krieg unter Kerenski weiter schlecht verlief, ermöglichte es ihnen dieser prinzipienfeste Kurs schließlich, im Oktober 1917 den Kapitalisten die Macht zu entreißen.
Was für Material verteilten die Bolschewiki am Vorabend des gesamtrussischen Sowjetkongresses im April 1917?
Alle Macht dem Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten!
Das bedeutet nicht, daß man sofort die jetzige Regierung stürzen und ihr den Gehorsam verweigern muß. Solange die Mehrheit des Volkes ihr folgt (…), dürfen wir nicht durch einzelne Revolten die eigenen Kräfte zersplittern.
Niemals!
Spart die Kräfte! Versammelt euch zu Meetings! Nehmt Resolutionen an![xii]
Es ist klar, dass die revolutionäre Strategie nicht in einer sofortigen Meuterei, in der Verweigerung des Kampfes, in der Eröffnung eines revolutionären Kampfes gegen die bürgerliche Regierung bestand, sondern in einer langsamen, geduldigen Arbeit, um die Unterstützung für Antikriegs- und revolutionäre Ideen aufzubauen.
Letztendlich kam die von revolutionären Kräften geführte Arbeiterklasse im Oktober nicht mit einer Politik des „Erschießt eure Offiziere“ oder der aktiven Agitation für die militärische Niederlage der Armee an die Macht, sondern mit einer Politik von „Brot, Frieden und Land“. Diese Forderungen konnten nur erreicht werden, indem man den russischen Kapitalisten und ihren liberalen Politikern die Macht entriss, um den Frieden für ein vom Krieg erschöpftes und zerstörtes Land zu sichern. Die Bolschewiki bemühten sich sofort um Frieden mit Deutschland und unterzeichneten den sehr ungünstigen Vertrag von Brest-Litowsk, um Russland aus dem Krieg herauszuholen, wobei sie als Preis für den Frieden ein großes Gebiet abtraten. Während der Debatten über die Ratifizierung des Vertrags von Brest-Litowsk bemerkte Lenin,
Er [Boris Kamkow von den Linken Sozialrevolutionären] hat gehört, daß wir Defätisten waren, und dessen erinnerte er sich, als wir aufgehört hatten, Defätisten zu sein. (…) Wir waren Defätisten unter dem Zaren, aber unter Zereteli und Tschernow waren wir keine Defätisten.[xiii]
Nach der Februarrevolution, so argumentierte Lenin, ließen die Bolschewiki die Defätismus-Parole fallen, in der Praxis gab es sie hauptsächlich auf der Ebene der Propaganda zwischen 1914 und 1916, 1917 wurde sie zu den Akten gelegt. Sie wurde durch eine konkretere und spezifischere Forderung nach demokratischen Rechten für die Soldaten und einen Vorstoß für Doppelherrschaft im Militär ersetzt, als der revolutionäre Aufschwung zur Radikalisierung von immer mehr Regimenter führte.
Revolutionärer Verteidigungskrieg
Im September 1917 gab sogar Lenin Erklärungen ab, die nicht mehr auf revolutionärem Defätismus beruhten, sondern im Wesentlichen ein revolutionärer Verteidigungskrieg befürwortet wurde, das formulierte er in die Frage, wie ein Land erfolgreich gegen eine Invasion zu verteidigen ist:
Man kann das Land nicht verteidigungsfähig machen ohne den größten Heroismus des Volkes, das kühn und entschlossen die großen wirtschaftlichen Umgestaltungen verwirklicht. Und man kann unter den Massen keinen Heroismus wecken, ohne mit dem Imperialismus zu brechen, ohne allen Völkern einen demokratischen Frieden anzubieten, ohne auf diese Weise den räuberischen, verbrecherischen Eroberungskrieg in einen gerechten, revolutionären Verteidigungskrieg umzuwandeln.[xiv]
Dies zeigt noch einmal, dass Lenin die Losung des revolutionären Defätismus in erster Linie in Bezug auf den Zarismus und die Idee verwendete, eine Niederlage der Zarenarmee werde die Voraussetzungen für ein radikaleres demokratisches Regime schaffen, das an seine Stelle treten könnte. Und in diesem Punkt hatte er Recht.
Im Krieg geht alles sehr schnell. Als Lenin aus dem Exil zurückkehrte und anfing, mit russischen Arbeiter:innen und Soldaten zu sprechen, entdeckte er eine andere Stimmung, nämlich die, dass es völlig vernünftig ist, nicht zu wollen, dass das eigene Land überfallen und besetzt wird, und dieses Gefühl brachte er nun zum Ausdruck, wobei er sogar die Sprache eines revolutionären Verteidigungskrieges verwendete, die er im April 1917 abgelehnt hatte. Der entscheidende Punkt war, sich den expansionistischen, imperialistischen Kriegszielen der Bourgeoisie entgegenzustellen.
Praktische Schlussfolgerungen
Wenn ein imperialistisches Land in eine ärmere Nation einmarschiert, um zu versuchen, die Welt aufzuteilen, ist es eine grundlegende demokratische Forderung, für das Recht der letzteren auf Widerstand einzutreten und ihr Recht auf Selbstbestimmung zu verteidigen. Es ist sogar eine prinzipielle und richtige Position, wenn man sagt, dass man dafür ist, dass die kleinere Nation gewinnt.
Es liegt auf der Hand, dass die Menschen, die einer imperialistischen Nation angehören, welche in eine andere imperialistische Nation einmarschiert, nicht von einer ausländischen Macht überfallen und besetzt werden wollen.
In beiden Fällen sollten Sozialist:innen eine allgemeine Anti-Kriegs-Agitation und -Propaganda betreiben und die Klassenwidersprüche aufzeigen zwischen dem, was die Imperialisten wollen, und den arbeitenden Menschen, die sich dafür gegenseitig abschlachten sollen. Wir sollten Verbindungen zu den Sozialist:innen im einmarschierenden Land herstellen, Basiskomitees im Militär und in den Gewerkschaften organisieren und Verbindungen zwischen Arbeiter:innen und Soldat:innen herstellen und klar sagen, dass die Regierung nicht für das Volk spricht, dass dieser barbarische Krieg beendet werden muss und nur eine sozialistische Regierung ihn beenden kann.
Dieser Artikel ist am 19. Mai 2022 in dem US-amerikanischen Online-Magazin Tempest veröffentlicht worden: https://tempestmag.org/2022/05/revolutionary-defeatism-yesterday-and-today/. Aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Wilfried. Viele Zwischenüberschriften wurden aus der Übersetzung ins Französische übernommen, die in Inprecor Nr. 731 vom April 2025 erschienen ist.
Simon Hannah ist Mitglied von Anti-Capitalist Resistance (ACR) und Gewerkschaftsaktivist in Südlondon. Seit dem 18. Weltkongress (Februar 2025) ist er außerdem Mitglied des Internationalen Komitees der Vierten Internationale. Er schreibt über die Arbeiterbewegung und sozialistische politische Geschichte und hat unter anderem diese Bücher veröffentlicht: A Party With Socialists in It: A History of the Labour Left (London: Pluto Press, 2018); Why We Need Anticapitalist Resistance (London: Resistance Books, 2021); Capitalist China and Socialist Revolution (London: Resistance Books, 2023); zuletzt Reclaiming the Future: A Beginnerʼs Guide to Planning the Economy (London u. Las Vegas: Pluto Press, 2024).
Literatur
Draper, Hal: „The Myth of Lenin’s Defeatism. Discussion Article“, in: The New International. A Marxist Review, New York, Jg. XIX, Nr. 5, September/Oktober 1953, S. 255–283; Jg. XIX, Nr. 6, November/Dezember 1953, S. 313–351; Jg. XX, Nr. 1, Januar/Februar 1954, S. 39–59.
https://www.marxists.org/archive/draper/1953/defeat/index.htm
Draper, Hal: War and Revolution. Lenin and the Myth of Revolutionary Defeatism, hrsg. von E. [Ernest] Haberkern, Atlantic Highlands, New Jersey: Humanities Press, 1996, (Revolutionary Studies, hrsg. von Paul Le Blanc). – IX, 159 S.
Hannah, Simon: „A Strategy for the Working Class in Ukraine“, Anti*Capitalist Resistance, 10. März 2022, https://anticapitalistresistance.org/a-strategy-for-the-working-class-in-ukraine/
Lenin, W. I.: „Der Bolschewismus und die ,Zersetzungʻ der Armee“, in: ders., Werke, Bd. 24, Berlin: Dietz Verlag, 1959, S. 575‒578.
Zuerst veröffentlicht in Prawda, Petrograd, Nr. 72, 16. (3.) Juni 1917.
Lenin, W. I.: „Die drohenden Katastrophe und wie man sie bekämpfen soll“, in: ders., Werke, Bd. 25, Berlin: Dietz Verlag, 1960, S. 327‒377.
Geschrieben 10. bis 14. September 1917; zuerst veröffentlicht Ende Oktober 1917 als Broschüre in Petrograd.
Lenin, W. I.: „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“, in: ders., Werke, Bd. 23, Berlin: Dietz Verlag, 1957, S. 72‒83.
Geschrieben im September 1916 auf Deutsch; zuerst veröffentlicht in der Zeitschrift Jugend-Internationale, Zürich, Nr. 9, September 1917, sowie Nr. 10. Oktober 1917. Umgearbeitete Fassung auf Russisch veröffentlicht in Sbornik Sozial-Demokrata, Genf, Nr. 2, Dezember 1916.
Lenin, W. I.: „Rede in der Versammlung bolschewistischer Delegierter der Gesamtrussischen Beratung der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, 4. (17.) April 1917“, in: ders., Werke, Bd. 36, Berlin: Dietz Verlag, 1962, S. 422‒432.
Niederschrift des Sekretärs der Versammlung im Taurischen Palais in Petrograd; zuerst veröffentlicht in Prawda, Moskwa, 7. November 1924.
Lenin, W. I.: „Schlusswort zum Referat über die Ratifizierung des Friedensvertrages, 15. März 1918“ (gehalten auf dem Außerordentlichen IV. Gesamtrussischer Sowjetkongress, 14. bis 16. März 1918)“, in: ders., Werke, Bd. 27, Berlin: Dietz Verlag, 1960, S. 179‒188.
Veröffentlicht in Prawda, Petrograd, Nr. 49, 18. März 1918.
Lenin, Wladimir Iljitsch: „Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen (Thesen)“, in: ders., Werke, Bd. 22, Berlin: Dietz Verlag, 1960, S. 144–159.
Geschrieben Januar/Februar 1916; zuerst veröffentlicht, unterzeichnet „Die Redaktion des ,Sozial-Demokratʻ, Zentralorgan der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands“ auf Deutsch in der Zeitschrift der Zimmerwalder Linken Vorbote, Bern, Nr. 2, April 1916; auf Russisch in Sbornik Sozial-Demokrata, Genf, Nr. 1, Oktober 1916.
Lenin, W. I.: „Über die Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischen Krieg“, in: ders., Werke, Bd. 21, Berlin: Dietz Verlag, 1960, S. 273‒279.
Zuerst veröffentlicht in Sozial-Demokrat, Genf, Nr. 43, 26. Juli 1915.
Luxemburg, Rosa: „Die Krise der Sozialdemokratie“ („Junius-Broschüre“), in: dies., Gesammelte Werke, Bd. 4, Berlin: Dietz Verlag, 1974, S. 49–164.
Verfasst während der ersten Wochen der Haft im „Weibergefängnis Barnimstraße“ in Berlin Mitte Februar bis April 1915; zuerst veröffentlicht im April 1916 unter dem Pseudonym Junius von der Verlagsdruckerei Union in Zürich; mehrere neue Ausgaben 1919.
Putin, Vladimir [Wladimir Wladimirowitsch]: „Über die historische Einheit der Russen und der Ukrainer“ (aus dem Russischen übersetzt von Andreas Huterer), in: Osteuropa, Berlin, 71. Jg., Heft 7 (Der Geist der Zeit
Kriegsreden aus Russland), 2021, S. 51–65.
Am 12. Juli 2021 auf Russisch und Ukrainisch auf der Internetseite des Präsidenten der Russischen Föderation veröffentlicht; auf Englisch: „On the Historical Unity of Russians and Ukrainians“, http://en.kremlin.ru/events/president/news/66181.
(Radek, Karl): „Resolution of the Zimmerwald Left“ (aus dem Deutschen übersetzt), Socialist Worker, 9. September 2015, https://socialistworker.org/2015/09/09/resolution-of-the-zimmerwald-left
(Radek, Karl): „Vorschlag der Resolution über: Weltkrieg und die Aufgaben der Sozialdemokratie“ (September 1915), in: Horst Lademacher (Hrsg.), Die Zimmerwalder Bewegung. Protokolle und Korrespondenz, Bd. I: Protokolle, The Hague u. Paris: Mouton, 1967, S. 117–123.
Entwurf von Karl Radek für eine Resolution der Konferenz in Zimmerwald (5. bis 8. September 1915), mit einigen Änderungen. Dieser Entwurf wurde zusammen mit einem Entwurf für ein Manifest von Karl Radek sowie einem Entwurf von W. I. Lenin „auf einer vor der Zimmerwalder Konferenz von Lenin arrangierten Zusammenkunft“ beraten; daran nahmen Jan Berzin, Julian Borchardt, Zeth Höglund, W. I. Lenin, Ture Nerman, Fritz Platten, Karl Radek, G. Je. Sinowjew und Leo Trotzki teil. Resolution und Manifest der Zimmerwalder Linken wurden mit einer Einleitung von Karl Radek in Internationale Flugblätter, Nr. 1, November 1916, veröffentlicht.
[i]W. I. Lenin, „Rede in der Versammlung bolschewistischer Delegierter der Gesamtrussischen Beratung der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, 4. (17.) April 1917“, in: Werke, Bd. 36, 1962, S. 423.
[ii]W. I. Lenin, „Rede in der Versammlung bolschewistischer Delegierter der Gesamtrussischen Beratung der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, 4. (17.) April 1917“, S. 425.
[iii]Simon Hannah, „A Strategy for the Working Class in Ukraine“, Anti*Capitalist Resistance, 10. März 2022.
[iv]W. I. Lenin, „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“ [1916], in: Werke, Bd. 23, 1957, S. 77.
[v]Rosa Luxemburg, „Die Krise der Sozialdemokratie“ (1915/1916), in: Gesammelte Werke, Bd. 4, 1974.
[vi]Siehe etwa Vladimir Putin, „On the Historical Unity of Russians and Ukrainians“ (12. Juli 2021); auf Deutsch: Vladimir Putin, „Über die historische Einheit der Russen und der Ukrainer“, in: Osteuropa, 71. Jg., Heft 7, 2021, S. 51–65.
[vii]W. I. Lenin, „Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen (Thesen)“, in: Werke, Bd. 22, 1960, S. 150.
[viii]W. I. Lenin, „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“ (1916), in: Werke, Bd. 23, 1957, S. 80.
[ix]Hal Draper, „The Myth of Lenin’s ,Revolutionary Defeatism‘“ (1953/1954), https://www.marxists.org/archive/draper/1953/defeat/index.htm.
[Dieser Beitrag erschien zuerst in drei Folgen der Zeitschrift The New International. Sie wurde damals zweimonatlich in New York und war ein Organ der „shachtmanistischen“ Independent Socialist League (ISL), die 1949 durch eine Umbenennung der Workers Party entstand (die im April 1940 nach einer Spaltung der Socialist Workers Party entstanden war) und bis August 1958 bestand.
Hal Draper (1914–1990) überarbeitete und aktualisierte seinen Essay, dessen „wesentlicher Inhalt“ unverändert blieb. Diese Version ist nach seinem Tod von E. Haberkern als Buch herausgegeben worden: War and Revolution. Lenin and the Myth of Revolutionary Defeatism, Atlantic Highlands, New Jersey: Humanities Press, 1996, (Revolutionary Studies).]
[x]„Resolution of the Zimmerwald Left“, https://socialistworker.org/2015/09/09/resolution-of-the-zimmerwald-left. Original: „Vorschlag der Resolution über: Weltkrieg und die Aufgaben der Sozialdemokratie“ (Entwurf verfasst von Karl Radek, September 1915), in: Horst Lademacher (Hrsg.), Die Zimmerwalder Bewegung. Protokolle und Korrespondenz, Bd. I, The Hague u. Paris: Mouton, 1967, S. 123.
[xi]W. I. Lenin, „Über die Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischen Krieg“ (1915), in: Werke, Bd. 21, 1960, S. 273/274.
[xii]Aus einem Flugblatt, das vor dem Gesamtrussischen Kongress der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten von dem „Fähnrich Krylenko, Mitglied des Armeekomitees der XI. Armee, Delegierter des Zentralkomitees der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands (Bolschewiki) auf dem Kongreß der Süd-West-Front“ unter den Truppen verbreitet wurde; zustimmend zitiert von W. I. Lenin in dem Artikel „Der Bolschewismus und die ,Zersetzungʻ der Armee“ (1917), in: Werke, Bd. 24, 1959, S. 576.
[xiii]W. I. Lenin, „Schlusswort zum Referat über die Ratifizierung des Friedensvertrages, 15. März 1918“, in: Werke, Bd. 27, 1960, S. 181, 181/182.
[xiv]W. I. Lenin, „Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämpfen soll“, in: Werke, Bd. 25, 1960, S. 374.