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Den Krisen mit realistischer Hoffnung begegnen

Ökosozialistische Konferenz suchte Auswege aus multiplen Krisen

Von Angela Klein | 17.06.2026

              

„Es ist etwas schade, dass es nach wie vor nicht groß gelingt, die Linke an einen Tisch zu bringen, sondern meistens doch der eigene Dunstkreis kommt. Schön, dass ihr wenigstens versucht, die Runde über die Auswahl der Referent:innen etwas zu erweitern. Wir müssen viel mehr die Gemeinsamkeiten herausstreichen, als die Unterschiede benennen.“

Damit hat Lars Hirsekorn, Vertrauensmann und Betriebsrat bei VW Braunschweig und Redner auf einem Podium zur Militarisierung der Arbeitswelt, ein zentrales Anliegen der Ökosozialistischen Konferenz der ISO gut auf den Punkt gebracht.

Die Konferenz hat am 13. und 14. Juni in Köln mit ca. 75 Teilnehmer:innen stattgefunden. In diesem Jahr hatte sie das Thema „Militarisierung“ zum Schwerpunkt. Aufrüstung, Kriege, Militarismus, Rüstungsproduktion bestimmen mehr und mehr und noch auf lange Zeit alle Facetten der Gesellschaft und der Politik. Zunehmende Gewaltherrschaft nach innen und außen prägt das Gesicht dieser Politik.

Die Konferenz startete daher auch mit dem Thema „Imperialismus heute“, zu dem Ingo Schmidt und Thomas Sablowski zwei sich wunderbar ergänzende Einführungen gehalten haben. Das Thema ist an Hand des Irankriegs vertieft worden, es wurde diskutiert, was er uns über die geopolitischen Veränderungen der letzten drei Jahrzehnte und der Kräfteverhältnisse auf der globalen Ebene sagt.

Mit einer Genossin aus Amsterdam, deren Eltern dem Iran stammen und deren Angehörige zum Teil weiter im Lande leben, hatten wir auch jemanden, die etwas über die aktuelle Lage und die Stimmung in der Bevölkerung im Iran sagen konnte.

Ein besonderes Highlight war, dass es uns in letzter Minute gelungen ist, einen Palästinenser mit israelischem Pass, Awad Abdelfattah aus Haifa, Koordinator der „One Democratic State Campaign“, zuzuschalten. Er hat sehr eindrucksvoll dargelegt, inwiefern der Kampf für gleiche Rechte im Staat Israel und für einen demokratischen Staat geeignet ist, das palästinensische Volk um eine gemeinsame Losung zu einen. Denn mit der weiteren Annexion Gazas und der Vertreibung der Palästinenser:innen aus dem Westjordanland durch die Siedler schafft Israel selber den einen Staat, den es politisch als Heimat der Palästinenser:innen wie der Juden und Jüdinnen ablehnt.

Das Thema Militarisierung wurde aber auch an Hand der innenpolitischen Verhältnisse durchdekliniert. Jürgen Wagner von der Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI) hat einen ausgezeichneten Überblick über den Operationsplan Deutschland gegeben. Klaus Meier hat die deutsche Energiepolitik im Angesicht des Irankriegs und das Rollback zurück zum forcierten Ausbau der fossilen Energien erläutert. Und Mai Blauel (von der Linken Köln), Albrecht Kieser (Initiative 70+ Köln) und Benno Fuchs (Landesgeschäftsführer NRW der DFG/VK) haben jeweils aus ihrer Perspektive berichtet, was sie konkret gegen die zunehmende Militarisierung unternehmen. Der Wunsch nach mehr Zusammenarbeit wurde hier ebenso geäußert wie am Samstagabend auf dem Podium zur Militarisierung der Arbeitswelt, in die Alexandra Willer (Personalrätin an dem Universitätsklinikum Essen, ver.di-Vertrauensfrau und Mitglied der Bundestarifkommission), Annika Fuchs (Aktivistin von Robin Wood) und Lars Hirsekorn wichtige Einblicke gegeben haben.

In einer Arbeitsgruppe ist das „Manifest für eine ökosozialistische Revolution“ vorgestellt worden, das nach einem ausführlichen Diskussionsprozess von dem letzten Weltkongress der Vierten Internationale beschlossen und danach in vielen Sprachen veröffentlicht und zur Debatte gestellt worden ist. Eine Genossin aus den Niederlanden und eines der deutschen Leitungsmitglieder der haben über die Erarbeitung, die Inhalt und die Bedeutung dieses Dokuments für das Selbstverständnis und die Aktivitäten der internationalen Strömung berichtet.

Ein junges Mitglied der ISO berichtete über die Vorbereitungen für das internationale antikapitalistische Sommercamp der Jugendstrukturen der Vierten Internationale, das in diesem Jahr von unseren Schweizer Genoss:innen von der Bewegung für den Sozialismus (BFS/MPS) organisiert, aber vom 18. bis 25. Juli im Südwesten von Deutschland stattfinden wird. Die ISO unterstützt dieses 41. Camp das nun nach Deutschland zurückkehrt, denn das erste Sommercamp der Vierten Internationale war 1984 im Schwarzwald durchgeführt worden.

Auf dem Abschlusspodium der Konferenz gab Annette Schlemm (Physikerin, Philosophin, Aktivistin, kritische Unterstützerin sowohl der Kollaps- als auch der Klimagerechtigkeitsbewegung) einen Einblick darin, wo wir derzeit in Bezug auf die Treibhausgasbelastung der Atmosphäre stehen: Er fiel sehr düster aus, und sie warb für einen hoffenden Realismus – denn es kann natürlich alles noch viel schlimmer kommen, jeder Zehntel Grad Erwärmung spielt eine große Rolle, und je mehr wir verhindern können, desto besser ist es. Darüber diskutierte sie mit Violetta Bock (Fraktion Die Linke im Bundestag), Johanna Schellhagen (Labournet TV) und Wolfgang Alles (ISO). Letzten Endes wurde klar, dass es den großen Wurf, wie wir den Gang in die Katastrophe aufhalten können, nicht gibt, nicht geben kann angesichts der Machtverhältnisse. In Anbetracht der zunehmenden Widersprüche und Konflikte im Lager der Herrschenden  ist die Stärkung des solidarischen Miteinanders – in Kämpfen, in der Bewältigung des Alltags, im Aufbau von Gegenmacht unser wichtigstes Mittel, um wirksam zu werden. Solidarität aber erfordert in erster Linie die Aufhebung sozialer Ungleichheit. Die Klimafrage ist eine Klassenfrage – das wurde noch einmal sehr deutlich.

Einige Veranstaltungen haben Ansatzpunkte für eine weitere Zusammenarbeit geboten, daran sollte nun weitergearbeitet werden. Der Veranstaltungsort hat einen entspannten und einladenden Raum geboten, der viel zum guten Gelingen der Konferenz beigetragen hat.


15. Juni 2026

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