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Nachruf auf Lutz Reimers (1946‒2020)

Von Helmut Born | 31.12.2020

Am 27. November diesen Jahres ist unser Genosse Lutz Reimers nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Lutz ist am 24. Juli 1946 geboren worden. Ende der 60er Jahre ist er aus Echem in der Lüneburger Heide ins Rheinland umgezogen, um an der Fachhochschule Düsseldorf ein Studium für Sozialpädagogik zu beginnen. Vorher hatte er eine Ausbildung als Bankkaufmann gemacht.

In Düsseldorf bekam er Kontakt zu Genoss*innen der Gruppe Internationale Marxisten (GIM), der damaligen Sektion der IV. Internationale, er trat ihr bei. Die GIM, die sich als trotzkistische Organisation verstand, war damals eine relativ bedeutende Kraft in Düsseldorf; neben ihr gab es links von der SPD die DKP und eine Reihe von maoistischen Organisationen. Nach dem Studium wurde Lutz Sekretär bei den Düsseldorfer Falken, der (links-) sozialdemokratischen Jugendorganisation. Dort organisierte er außer den regelmäßigen Ferienlagern für Jugendliche auch die politische Arbeit in Düsseldorf mit. Beispielgebend war 1976 eine Initiative für die Durchführung einer Demo zum 1. Mai, als der Düsseldorfer DGB keine Demo mehr durchführen wollte, weil der örtlichen Gewerkschaftsspitze die Präsenz der Linksradikalen dort zu groß geworden war. Diese Demonstration war ein großer Erfolg, der dazu führte, dass der DGB in den Folgejahren am 1. Mai wieder eine offizielle Demo organisierte. Ende der siebziger Jahre endete die Beschäftigung bei den Falken, und nach einer zweijährigen Tätigkeit in einer Beratungsstelle für Jugendliche in Duisburg fand er eine Stelle in seinem studierten Beruf bei der Düsseldorfer Arbeiterwohlfahrt (AWO), wo er später Betriebsratsvorsitzender wurde. Zu dieser Zeit verlor die Düsseldorfer Gruppe der GIM viele Mitglieder, was auch zu einem Verlust an Einfluss führte. Zur Zeit der Gründung der VSP 1986 war es nur noch weniger als eine Handvoll Mitglieder, die in Düsseldorf Politik zu machen versuchten. Im Vorfeld der Vereinigung mit den Genoss*innen der KPD (früher KPD/ML) machten wir gemeinsam eine Kampagne zur Arbeitszeitverkürzung, die im gewerkschaftlichen Bereich viel Beachtung fand. Mit der Vereinigung von GIM und KPD zur Vereinigten Sozialistischen Partei (VSP) 1986 wuchs auch die Düsseldorfer Gruppe.

Mitte der 90er Jahre verließ Lutz Düsseldorf und zog zu seiner Partnerin Maria nach Frankfurt am Main. Dort fand er nach einer gewissen Zeit eine Anstellung beim „Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 bis 1945“, bei dem er sich intensiv mit den zahlreichen Facetten des Widerstandes gegen die Nazi-Diktatur vertraut machte. In der Frankfurter Zeit fand er mit seiner Partnerin Kontakte zur Friedensbewegung. Insbesondere mit den Ärzt*innen der IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) arbeiteten sie intensiv zusammen.

Mit seiner Partnerin zog er 2002 aus beruflichen Gründen nach Bad Salzuflen. Dort mussten sie sich politisch ganz neu orientieren, was in diesem Kurort nicht einfach war. Lutz wurde, neben der Mitgliedschaft in der 2001 neu gegründeten internationalen sozialistischen linken (isl), Mitglied in der damaligen PDS und suchte Kontakt zu Genoss*innen in Bielefeld. Nach wenigen Jahren stand ein Umzug in das benachbarte Herford an. Dort konnten Lutz und seine Partnerin ihre Arbeit in der Friedensbewegung endlich wieder aufnehmen. Dies haben sie mit großer Leidenschaft gemacht, was zu einer regelmäßigen Berichterstattung in den örtlichen Medien führte. Lutz wurde dort auch Mitglied des Kreisverbands der 2005 gegründeten Partei Die Linke, die ihm die Möglichkeit gab, über die Arbeit in der Friedensinitiative hinaus, am Ort politisch aktiv zu sein. Von dort hielt er auch weiterhin Kontakt nach Bielefeld. Im Dezember 2016 kam er zu der Vereinigungskonferenz von isl und RSB zur ISO nach Frankfurt.

Lutz ist am 27. November 2020 nach einer nicht mehr behandelbaren Krebserkrankung im Alter von 74 Jahren verstorben. Alle, die ihn kannten, haben ihn als einen engagierten und kämpferischen Genossen kennen gelernt. Den Kampf für eine Welt ohne Ausbeutung und Kriege werden wir ohne Lutz weiterführen müssen. Unser Beileid gilt seiner Lebenspartnerin, seinen Geschwistern und ihren Familien.

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