Gegen Ende Mai veröffentlichte die Boston Consulting Group (BCG) Zahlen zur Vermögensverteilung. Demnach legten die Nettovermögen 2025 weltweit um gut neun Prozent zu, auf einen Rekordwert von 550 Billionen Dollar. Das Nettovermögen der Deutschen wuchs in diesem Jahr um rund 15 Prozent. Nach den USA, China und Japan liegt Deutschland auf Rang vier.
Sehen wir uns die Lage in Deutschland genauer an. Hier ist die Gruppe der Superreichen 2025 sprunghaft um 28 Prozent gewachsen, um 1100 Köpfe in absoluten Zahlen. Rund 5000 Leute besitzen hierzulande 27,3% des gesamten Finanzvermögens von umgerechnet 12, 4 Billionen Dollar. Die genannte Studie definiert als „superreich“ Menschen, die ein Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar (86 Millionen Euro) besitzen.
Michael Kahlich, Co-Autor der Studie, erklärt: „Die Konzentration des Vermögens an der Spitze nimmt weiter zu – wer mehr hat, kann breiter streuen und in renditestärkere Anlageklassen wie Aktien oder Private Equity investieren.“ Der Anteil der Superreichen am Finanzvermögen werde in Deutschland bis 2030 auf 29 Prozent steigen.
Unter den 5000 Reichsten ist die Zahl der Milliardäre hierzulande 2025 laut Schätzungen auf 156 gestiegen. Das sind mehr als in jedem anderen europäischen Land. Diese Milliardäre konnten ihr Vermögen im Vergleich zum Vorjahr um 145,9 auf 692,1 Milliarden Dollar steigern. Wie wohl? Mit ihrer Hände Arbeit sicherlich so wenig, wie sie ihre Vermögen damit erworben hätten.
66 Millionen Menschen in Deutschland besitzen weniger als 250.000 Doller (215.000 Euro). Natürlich gibt es unter ihnen große Unterschiede – die Mehrheit besitzt nichts als ihre Arbeitskraft und allenfalls geringfügiges Vermögen, und die wachsende Zahl der Verarmten und Armutsgefährdeten hat gar nichts. Doch 700.000 Menschen in Deutschland sind Multimillionäre unterhalb der Schwelle von 86 Millionen Euro und besitzen mit den 5000 Reichsten zusammen rund die Hälfte des gesamten Finanzvermögens.
Brauchen wir nun einen Wohlfahrtausschuss, der die Köpfe dieser 156 und 5000 abschlagen lässt und damit den Rest der Multimillionäre zumindest soweit einschüchtert, dass sie den Löwenanteil ihrer Vermögen dem Gemeinwohl zur Verfügung stellen? Nach aller Erfahrung endet diese Art von allgewaltigen Ausschüssen damit, alle möglichen Köpfe abzuschlagen, zum Beispiel die, deren Gedanken ihnen nicht passen. Zügeln wir also unser Temperament.
Zumal Zahlen wie die hier wiedergegebenen nur die Oberfläche einer in unseren gesellschaftlichen Verhältnissen wurzelnden Wirklichkeit darstellen. Das Kapital ist weder ein Ding noch ein Sammelsurium elektronischer Daten. Es ist ein Verhältnis unter Menschen. Es beruht auf der Ausbeutung von Menschen durch andere Menschen und verschafft Kommandogewalt über anderer Leute Arbeit – und in vielen Fällen auch über deren Gewissen. Diese Verhältnisse können nur überwunden werden, indem die große Mehrheit der Beschäftigten und Besitzlosen die Macht des Kapitals bricht und an deren Stelle eine demokratisch selbstverwaltete Gemeinwirtschaft setzt. Dies ist auch der einzige Weg, die Vernichtung unserer natürlichen Lebensgrundlagen aufzuhalten.
Ziel der Linken muss sein, eine möglichst breite Einheit gegen die Herrschaft des Kapitals und für die Vergesellschaftung der großen Produktionsmittel herzustellen. Alle bestehenden Unterdrückungsformen und Missstände sind dem Kapitalverhältnis zugeordnet. Die Unterdrückten sollen nicht etwa zurückstecken, um die Einheit gegen die Kapitalherrschaft zu erreichen, vielmehr wird diese dadurch hergestellt, dass die große Mehrheit die Interessen der am meisten unterdrückten und diskriminierten Schichten zu ihren eigenen macht.
Die bürgerlichen Parteien und darunter ganz besonders die extreme Rechte tun alles dafür, die wachsende Wut der Massen auf alle möglichen Zielscheiben abzulenken – auf sogenannte Ausländer, Empfänger von Sozialleistungen, angebliche Faulpelze usw. Hauptsache das große Kapital, einfach gesagt die Multimillionäre und Milliardäre, bleiben aus dem Fadenkreuz.
Wenn die CDU und die CSU die „Brandmauer“ gegenüber der AfD einreißen, dann ist das nur die Krönung ihrer „Strategie“, die die extreme Rechte erst stark gemacht hat, denn alle sehen ja, dass diese die etablierte bürgerliche Politik vor sich hertreibt. Linke sollten dabei aber nicht ihren Kompass verlieren. Mit den bürgerlichen Parteien zusammen zu regieren, um eine von der AfD gestellte oder geführte Regierung zu verhindern, würde die AfD nur noch stärker machen.
Regierungen der bürgerlichen Parteien CDU, CSU, die Grünen, die SPD, die FDP und auch die AfD sind immer Regierungen für die Kapitalherrschaft und die Wahrung der Interessen des Kapitals. Die Linke hingegen ist darauf angewiesen, ihr Feuer gegen dieses große Kapital und seine Herrschaft zu richten. Sonst wird sie ununterscheidbarer Teil der etablierten Politik, anstatt den Klassenkampf gegen die da oben zu organisieren.