Die russischen Bombenangriffe auf die zivile Infrastruktur und Wohnhäuser in der Ukraine haben in diesem Monat [dem März 2026] unvermindert angehalten, während die Aufmerksamkeit durch das kriminelle militärische Abenteuer der USA und Israels im Iran abgelenkt wurde. Die ukrainischen Städte erholen sich gerade von ihrem bisher härtesten Winter, in dem Russland alles daran gesetzt hat, sie durch die Kälte zur Unterwerfung zu zwingen.
Wie oder ob Sozialist:innen in Europa die politischen und praktischen Herausforderungen begreifen, die Russlands Krieg mit sich bringt, steht sicherlich ganz, ganz unten auf der Liste der Dinge, die den meisten Menschen in der Ukraine derzeit am Herzen liegen.
Ich werde dennoch hier darüber schreiben, denn wenn „Sozialismus“ überhaupt eine Bedeutung haben soll, dann ist es von großer Bedeutung, wie die europäischen Sozialist:innen auf den blutigsten Krieg auf diesem Kontinent seit achtzig Jahren reagieren.
Ich werde darlegen, dass die kleinen Schritte, die wir unternommen haben, um den ukrainischen Widerstand im Geiste des Internationalismus zu unterstützen, von unserem kollektiven Versagen überschattet werden, die tiefgreifenden Veränderungen, die der russische Krieg verursacht hat, zu verstehen und zu diskutieren sowie wirksame Antworten darauf zu erarbeiten.
Mit „wir“ meine ich Sozialist:innen, die den ukrainischen Widerstand gegen den imperialistischen Angriff von Anfang an unterstützt haben. In diesem ersten Artikel gebe ich einen Überblick darüber, was wir getan und was wir versäumt haben. In einem zweiten Artikel gehe ich auf den anhaltenden Einfluss derjenigen ein, die sich dem ukrainischen Widerstand widersetzen – in der Praxis, in Worten oder beidem.
Die kleinen Schritte, die wir unternommen haben, lassen sich wie folgt zusammenfassen. Erstens haben Teile der organisierten Arbeiterbewegung ihren ukrainischen Kolleg:innen direkte, materielle Unterstützung in Form von medizinischen und anderen Hilfsgütern geleistet. Auch wenn dies wahrscheinlich nur einen relativ kleinen Teil des gesamten Unterstützungsstroms aus der Zivilgesellschaft und von in Europa lebenden Ukrainern ausmacht – der bis hin zu militärischer Ausrüstung und freiwilligen Soldaten reicht –, ist es doch von Bedeutung.
Zweitens haben wir versucht, die Unterstützung für den ukrainischen Widerstand gegen den russischen Imperialismus – und auch für die winzige, heftig unterdrückte Antikriegsbewegung in Russland – mit der massiven Antikriegsbewegung zu vereinen, die sich gegen die Unterstützung westlicher Regierungen für den israelischen Völkermord im Gazastreifen gewandt hat. Wir haben unsere Stimme gegen die Heuchelei von Regierungen erhoben, die pro-palästinensische Stimmen gewaltsam zum Schweigen bringen wollten, während sie ukrainische Stimmen zuließen.
Forderungen aus der Arbeiterbewegung an westliche Regierungen, stärkere konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Ukraine zu ergreifen, indem sie Wirtschaftssanktionen wirksamer gestalten oder die Lieferung bestimmter Waffentypen freigeben, waren meiner Ansicht nach weniger wirksam, was auf die relative politische Schwäche der Arbeiterbewegung und die Krise der sozialdemokratischen Parteien in ganz Europa zurückzuführen ist.
Unser schwerwiegendstes Versagen war meiner Ansicht nach jedoch das Fehlen einer tiefgreifenden Diskussion darüber, wie der russische Krieg Europa verändert hat und was das für die Arbeiterbewegung und für soziale Bewegungen bedeutet.
Den kritischen Versuchen ukrainischer Sozialist:innen wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Eine tiefergehende Diskussion über militärische Fragen, die uns direkt betreffen, fehlt fast vollständig, zumindest im Vereinigten Königreich. Klare Überlegungen dazu, was Krieg und seine Auswirkungen für die Gesellschaft, für soziale Bewegungen und für die arbeitende Bevölkerung als treibende Kraft des Wandels bedeuten – im Unterschied zu dem, was er für den Staat bedeutet –, werden selten angestellt.
Eine Folge dieses Versagens ist, dass unsere Reaktionen auf kruden „Antiimperialismus“, der den ukrainischen Widerstand unsichtbar macht – wie er beispielsweise kürzlich von Zarah Sultana geäußert wurde –, nicht kraftvoll genug sind.
In den Reflexionen von Taras Bilous über die letzten vier Kriegsjahre, die auf seinem weit verbreiteten „Brief an die westliche Linke“ aufbauen, den er am Tag des russischen Einmarsches verfasste, eine von verschiedenen Kritiken ukrainischer Sozialist:innen, findet sich eine implizite Herausforderung an uns in den westlichen Ländern.
Auf die Frage nach den Aussichten auf einen Verhandlungsfrieden und Sicherheitsgarantien – deren Fehlen laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein zentrales, noch ungelöstes Hindernis für eine Einigung darstellt – sagte Taras Bilous:
Angesichts des Zusammenbruchs der internationalen Ordnung sind schriftliche Sicherheitsgarantien nicht verlässlich. Für die Ukraine gibt es zwei wichtige Sicherheitsgarantien: die Armee und die Tatsache, dass Russland in diesem Krieg schwere Verluste erlitten hat. Jetzt werden sie es sich zweimal überlegen, bevor sie uns erneut angreifen.
Taras Bilous hebt einerseits die Bedeutung der derzeit stattfindenden direkten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine hervor, im Gegensatz zur „Großmacht“-Farce zwischen den USA und Russland. Andererseits sieht er keine Anzeichen dafür, dass Putin seinen Plan zur Zerstörung des ukrainischen Staates aufgegeben hat, und betrachtet Forderungen, den nicht besetzten Teil des Donbass an Russland abzutreten, als potenziell „nur einen Schritt in diese Richtung“.
Diese eindringlichen Warnungen stellen Sozialist:innen in ganz Europa vor Dilemmata. Wenn die einzigen wirklichen „Sicherheitsgarantien“ die Waffengewalt sind, was bedeutet das dann in Estland? In Litauen? In Polen? Was bedeutet es weiter westlich?
Hanna Perechoda, eine in der Schweiz lebende ukrainische Sozialistin, argumentierte im vergangenen Jahr, jegliche linke Perspektive dürfe nicht vom Nationalstaat oder der Europäischen Gemeinschaft, sondern von der „globalen Arbeiterklasse“ ausgehen. Man müsse bedenken, dass in einem Staat, der in der „Einflusssphäre“ von imperialen extraktivistischen Mächten wie Russland, China oder den USA gefangen ist, „weder Menschenleben noch Arbeiterrechte noch die Umwelt geschützt werden können“.
Ihrer Ansicht nach erfordert dies von den Sozialist:innen in Europa erstens, „das strukturelle Überleben eines demokratischen Raums zu sichern“, und zweitens, „von innerhalb dieses Raums dafür zu kämpfen, dessen politischen und sozialen Inhalt neu zu definieren“. In den baltischen Staaten, Polen und Finnland bedeutet dies, „ihre Bestände [an Rüstungsgütern] wieder aufzubauen und die Infrastruktur zu stärken“. Sie fuhr fort:
Wenn dein Nachbar die zweitgrößte Militärmacht der Welt ist, täglich Städte bombardiert, ein Drittel seines Budgets für Krieg ausgibt und dein Land als „historischen Fehler“ bezeichnet, ist die Fähigkeit, dich zu verteidigen, kein Wettrüsten. Es ist Überleben.
Die osteuropäischen Staaten können dies nur mit Hilfe westeuropäischer Verbündeter bewerkstelligen, schreibt Perechoda. In Westeuropa „ist die Bedrohung eine andere. Sie hat weniger mit Invasion zu tun, viel mehr mit dem Aufstieg der extremen Rechten“; und Verteidigung bedeutet:
Bekämpfung von Desinformation, Schutz der Infrastruktur, Blockierung von ausländischen Geldern in der Politik, Abwehr von Cyberangriffen, Sabotage und Energieerpressung. Und Hilfe für diejenigen, die sofort Waffen für ihr Überleben benötigen.
Hanna Perechoda argumentiert, dass Sozialist:innen sich nicht gegen die Produktion von Waffen stellen sollten; der eigentliche Kampf geht um die Frage, wer über sie verfügt; „das Problem ist, den Markt entscheiden zu lassen, was produziert wird, für wen und nach welchen Regeln“.
Wenn wir in Westeuropa diese Themen nicht diskutieren, was treiben wir dann hier? Es ist nicht die Aufgabe unserer ukrainischen Genoss:innen, unsere Probleme zu lösen. Sie haben genug andere Sorgen. Es ist unsere kollektive Schande, dass Oleksandr Kyselow, ein in Schweden lebender ukrainischer Sozialist[i], den vierten Jahrestag des totalen Krieges mit einem Protest markieren muss, in dem er sagt:
Zu viele von der europäischen Linken sind damit beschäftigt, altbekannte Rahmen auf eine veränderte Welt zu übertragen. Als ob sie weiter hofften, wenn sie nur laut genug leugnen, verurteilen und anprangern, selektiv über Internationalismus dozieren und gleichzeitig die Grenzen ihrer nationalen Einheiten verstärken, würden sie schon von der neuen Realität der Welt verschont bleiben.
Es gibt (mindestens) zwei Seiten der Diskussion, die wir führen müssen: eine, die sich auf jeden Einfluss bezieht, den wir derzeit auf die Situation haben könnten, da tatsächlich alle Entscheidungen in militärischen Angelegenheiten in den Händen der herrschenden Klasse, ihres Staates und ihrer Marionettenpolitiker liegen (eine „politische“ Seite); und eine zweite, die sich auf Prinzipien bezieht, auf denen eine Bewegung aufgebaut werden kann, die stark genug ist, sowohl dem Staat entgegenzutreten als auch eine sozialen Transformation herbeizuführen (ich nenne sie die „bewegungsorientierte“ Seite).
Auf der politischen Seite sind uns die Sozialist:innen in den nordischen Ländern meilenweit voraus, vielleicht weil sie geografisch näher an Russland liegen.
Bjarke Friborg von der dänischen „Enhedslisten“ hat vor kurzem in einem Interview betont, dass es eine „sehr reale“ Bedrohung durch Putins Regime gibt, „nicht unbedingt im Sinne von ‚Panzern, die in Paris einrollen‘, aber sicherlich als Bedrohung für Demokratie, Souveränität und den Grundsatz, dass Grenzen nicht mit roher Gewalt verändert werden dürfen“. Er fuhr fort:
(…) lehnen wir den russischen Imperialismus genauso ab, wie wir den amerikanischen und den NATO-Imperialismus abgelehnt haben: nicht indem wir einen Block gegen einen anderen unterstützen, sondern indem wir das Recht der Völker auf Selbstbestimmung verteidigen und demokratische und progressive Kräfte in Russland und seinem Satellitenstaat Belarus unterstützen.
Bjarke Friborg argumentierte, „die Ablehnung des Militarismus“ und die Anerkennung „der Notwendigkeit, dass die Menschen sich gegen Aggression wehren“, seien durchaus vereinbar, und formulierte dies im Sinne einer „Volksverteidigung – einer demokratischen Verteidigung, die auf den Bürger:innen basiert und in der Zivilgesellschaft verwurzelt ist, nicht eines militarisierten Staatsapparats, der den Interessen der Wirtschaft, der Rüstungsindustrie und imperialistischer Interventionen dient“. Die Alternative zur „Volksverteidigung“ bestehe darin, das Feld autoritären Mächten zu überlassen.
Es besteht kein Widerspruch zwischen militärischer Unterstützung für die Ukraine und Kritik an der NATO und der Rüstungsindustrie.
Wo stehen die Sozialist:innen im Vereinigten Königreich? Im Oktober letzten Jahres hat eine Gruppe von uns eine (kleine, nicht öffentlich angekündigte) Diskussion über das Thema „Wie wir den ukrainischen Widerstand wirksam unterstützen und gleichzeitig der allgemeinen europäischen Aufrüstung entgegentreten können“ geführt. Ein Freund, der die Diskussion eröffnete – nennen wir ihn Gerald –, begann damit, dass er dies für unmöglich hielt, dass wir das eine nicht ohne das andere tun könnten (im Gegensatz zu der Auffassung von Bjarke Friborg).
Wie ich es verstanden habe, geht Gerald davon aus, dass die Militärausgaben der europäischen Nationen in den letzten Jahren relativ gering waren und dass sie ohne milliardenschwere Investitionen in Waffensysteme nicht in der Lage seien, dem russischen Militarismus in Osteuropa entgegenzutreten.
In unserer Diskussion wurde auch auf Militärtechnologien (über die ich sehr wenig weiß) Bezug genommen. Es ist relevant, inwieweit die USA, europäische Länder, Israel und andere Staaten in diesem Bereich voneinander abhängig sind.
Wo könnten wir ansetzen, um uns eine gemeinsame Sichtweise auf dieses schwierige Thema zu erarbeiten? Die Arbeiter- und sozialistischen Bewegungen können und müssen entscheiden, welche Maßnahmen des kapitalistischen Staates zu unterstützen sind und gegen welche Opposition angebracht ist. Gleiches gilt für die Technologien.
Wir unterstützen den Bau von Schulen und die Einstellung von Gesundheitspersonal; wir lehnen den Bau neuer Start- und Landebahnen ab. Warum können wir die Lieferung von Luftabwehrsystemen an die Ukraine nicht unterstützen, während wir dagegen sind, Milliarden in Trident und Flugzeugträger zu stecken?[ii] Warum können wir die Regierung nicht auffordern, den Kauf von in Israel hergestellten Waffensystemen abzulehnen?
Um einen sozialistischen Ansatz in diesem Sinne zu entwickeln, brauchen wir zunächst eine ehrliche Einschätzung des Ausmaßes und der Art der russischen militärischen Bedrohung erstens für die Ukraine, zweitens für andere ost- und mitteleuropäische Staaten und drittens für Westeuropa (wahrscheinlich in Form von Cyber- und anderer Sabotage, verdeckter Unterstützung für rechte Parteien usw.).
Außerdem brauchen wir eine ehrliche Einschätzung der Grenzen der europäischen „Demokratie“, die vorgibt, die Ukraine zu verteidigen – dieselbe „Demokratie“, die die Macht der Konzerne gegenüber den arbeitenden Menschen verstärkt, die Israels Völkermord uneingeschränkt unterstützt hat und die eine „Festung“ gegen wehrlose Flüchtlinge aufrechterhält. Dieses Thema hat Hanna Perechoda, wie oben erwähnt, unverblümt angesprochen.
Diese „Demokratie“ bestimmt die Militärtechnologie. Ihre Behauptungen, Investitionen in Militärsysteme seien wegen der die Unterstützung der Ukraine gerechtfertigt, müssen in diesem Zusammenhang bewertet werden. Wir wissen, dass diese Unterstützung sehr beschränkt ist und dass sie mit dem fortgesetzten Waffenhandel mit Israel, den Golfstaaten und anderen Autokratien einhergeht.
Ich bin der Ansicht, dass politische Forderungen, dass die europäischen „Demokratien“ der Ukraine die benötigten Verteidigungswaffen liefern, in einen breiteren Widerstand gegen den imperialistischen Militarismus eingebunden werden müssen, wie Bjarke Friborg es tut. Könnte die Forderung nach einem europaweiten Embargo für Waffenverkäufe überallhin außer an die Ukraine, die Taras Bilous erwähnt hat, ein Ausgangspunkt sein?
Ein Politiker des UK hat zaghaft angedeutet, dass es gute und schlechte Waffenlieferungen gibt: John Swinney, der schottische Ministerpräsident[iii]. Im September letzten Jahres hob er Beschränkungen für die Verwendung öffentlicher Mittel zur Munitionsproduktion „angesichts der russischen Invasion und des anhaltenden Krieges gegen die Ukraine“ auf, blockierte jedoch die Vergabe neuer öffentlicher Gelder an Rüstungsunternehmen, die mit Israel Handel treiben, aufgrund der „plausiblen Beweise für Völkermord“ im Gazastreifen.
Das ist zugegebenermaßen ein sehr begrenztes Engagement. Könnte es aber ein erster Schritt hin zu einer Reihe radikaler politischer Ansätze sein? Könnte die Unterscheidung zwischen Waffen für die Ukraine und Waffen für genozidale Regime in Initiativen wie den „Plan für eine Alternative zur russischen Besatzung“ einfließen, der im vergangenen Jahr von Labour-Abgeordneten, Gewerkschaftsführern und anderen veröffentlicht und der von der „Ukraine Solidarity Campaign“ unterstützt worden ist?
Der Plan drängt auf eine Aufstockung der Waffenlieferungen und strengere Sanktionen gegen Russland und fordert den Erlass der internationalen Schulden der Ukraine sowie die Übertragung eingefrorener russischer Finanzvermögen an die Ukraine. Er plädiert zudem für die Einberufung eines „Notfallgipfels ‚Rettet die Ukraine‘ der europäischen und verbündeten Nationen“, um „die notwendige militärische und finanzielle Unterstützung“ zu leisten. Meiner Ansicht nach ist dies eine Büchse der Pandora.
Wie könnten die Arbeiterbewegung und/oder mit ihr verbündete Politiker:innen verhindern, dass ein solcher Gipfel zu einem Instrument für europäische Regierungen wird, um die Ukraine zu zwingen, ihren Willen zu befolgen? Was können wir aus den Erfahrungen der Konferenzen zum wirtschaftlichen Wiederaufbau der Ukraine in den Jahren 2022/23 lernen, bei denen europäische Konzerne um die Vorreiterrolle in den von der EU finanzierten Nachkriegsprogrammen wetteiferten?
Es mangelt an einer offenen, ernsthaften Diskussion über die Logik solcher politischer Forderungen.
Wir brauchen auch eine Diskussion darüber, wie solche politischen Forderungen nach Waffenlieferungen, die an das Vereinigte Königreich und andere reaktionäre Regierungen gerichtet sind, mit den umfassenderen sozialistischen Prinzipien zusammenhängen, auf denen die Entwicklung der Arbeiterbewegung und sozialer Bewegungen basieren kann. (Das ist es, was ich oben mit bewegungsorientierten Ansätzen gemeint habe. Dies basiert auf der Idee, dass Sozialismus die Umgestaltung der gesamten Gesellschaft durch die Gesellschaft selbst impliziert, mit der Arbeiterklasse im Zentrum, im Unterschied zu politischen Veränderungen im Staat.)
Opposition gegen imperialistischen Militarismus und die Unterstützung all derer, die von ihm angegriffen werden, müssen meiner Ansicht nach im Mittelpunkt stehen. Das bedeutet zunächst einmal:
► Darauf hinarbeiten, die europäische Unterstützung für den ukrainischen Widerstand mit der Unterstützung für den palästinensischen Widerstand gegen den israelischen Kolonialismus und Völkermord zu vereinen – mit anderen Worten: darauf hinzuarbeiten, Bewegungen für die Befreiung der Menschen auf beiden Seiten der geopolitischen Kluft zu vereinen.
► Im Vereinigten Königreich und in Europa die Menschenrechte aller Geflüchteten und Asylsuchenden verteidigen, angesichts der rassistischen, spaltenden Manipulation von Vorschriften durch die Regierungen, um ukrainische Flüchtlinge gegen diejenigen aus afrikanischen, asiatischen und nahöstlichen Ländern auszuspielen.
► Verbindung solcher grundlegender internationalistischer Prinzipien mit dem Kampf gegen die Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse und auf die öffentlichen Dienste im Vereinigten Königreich und in Europa, d. h. die Ausrichtung des Kampfes um diese Themen gegen das Kapital, um den Versuchen der extremen Rechten entgegenzuwirken, die Arbeiterklasse in Europa gegen die Ukraine und/oder gegen Geflüchtete und Migrant:innen aufzuhetzen.
► Zusammenarbeit und Koordination mit der ukrainischen Arbeiterbewegung und zivilgesellschaftlichen Organisationen, die zwar mit der rechtsgerichteten Selenskyj-Regierung gegen die russische Aggression verbündet sind, aber mit ihr im Konflikt stehen, wenn es darum geht, soziale Rechte und Bürgerrechte auszuweiten, sich gegen Autoritarismus und Korruption im ukrainischen Staat zur Wehr zu setzen und sich gegen eine Wirtschaftspolitik zu stellen, die auf die Interessen westlicher Konzerne zugeschnitten ist.
Solche Grundprinzipien verschaffen sich nicht genügend Gehör. Unser Transparent „From Ukraine to Palestine: occupation is a crime“ wird bei Demonstrationen begeistert aufgenommen, es ist aber die Losung einer Minderheit geblieben. Stimmen wie die von Adeeb Shaheen[iv], die die Gemeinsamkeiten der Kämpfe gegen den westlichen und den russischen Imperialismus aufzeigen, müssen stärker Gehör finden.
Wenn die Unterstützung für den ukrainischen Widerstand nicht in solchen Prinzipien verankert ist, besteht die Gefahr, dass sie zu einem Anhängsel der militaristischen Politik der Labour-Partei wird.
Das scheint derzeit die Mission von Paul Mason zu sein, des von links nach rechts gewandelten Journalisten[v], der seine Unterstützung für Waffenlieferungen an die Ukraine zur Schau stellt, während er gleichzeitig seinen „Stolz“ über die Unterstützung der Labour-Partei für den israelischen Völkermord zum Ausdruck bringt, der autoritären Unterdrückung pro-palästinensischer Proteste Applaus spendet und die Bestrafung der Labour-Partei durch linke Wähler:innen beklagt.
Paul Mason erteilt der Regierung den Ratschlag, das allgemeine Aufrüstungsprogramm des Vereinigten Königreichs könne zum Wohle der Gesellschaft sein.
Die Gleichsetzung des Kampfes der Ukraine mit imperialistischem Militarismus ist für echte Solidarität mit dem ukrainischen Widerstand ein Gräuel und das Spiegelbild der „campistischen“ Gegnerschaft zu diesem Widerstand, über die ich in einem zweiten Artikel geschrieben habe.
Diesen Beitrag hat Simon Pirani am 12. März 2026 auf seinem Blog „People and Nature“ veröffentlicht. Aus dem Englischen übersetzt von Wilfried
[i]Oleksandr Kyselow stammt aus Donezk, ist Mitglied von Sozialnyj Ruch, hat an der Staatlichen Universität Jerewan „European Studies“ studiert und als Datenanalyst in dem Büro der Stiftung „Right to Protection“ in Slowjansk gearbeitet; er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Uppsala. Zuletzt hat er u. a. in analyse & kritik Nr. 722 vom 20. Januar 2026 den Artikel „Der Frieden, der nicht kommt“ veröffentlicht und zusammen mit der britisch-syrischen Autorin Leila al-Shami der Schweizer Wochenzeitung (WOZ) ein Interview gegeben, das am 22. Januar 2026 unter der Überschrift „Gegen alte Gewissheiten: ,Internationalismus ist kein Luxus, sondern ein Überlebensmechanismusʻ“ veröffentlicht worden ist.
[ii]Vgl. Simon Pirani, „Support Ukrainian resistance – not monstrous rearmament plans“ (März 2025). Auf Deutsch: „Unterstützung für den ukrainischen Widerstand – nicht für monströse Aufrüstungspläne“.
[iii]John Swinney (Jg. 1964) ist ein schottischer Politiker, seit 1999 „Member of the Scottish Parliament“, 2000 bis 2004 sowie seit 2024 „Leader“ der Scottish National Party (SNP), von 2007 bis 2023 war er Minister in den Regierungen von Alex Salmond bzw. Nicola Sturgeon, ab 2014 als stellvertretender First Minister; seit Mai 2024 ist er First Minister of Scotland einer Minderheitsregierung der SNP, die von der Scottish Green Party toleriert wird.
[iv]Adeeb (oder Adib) Shaheen stammt aus Palästina, musste nach der 1967 beginnenden Besatzung fliehen, baute sich in der Ostukraine ein neues Leben auf, floh 2022 nach dem Einmarsch russischer Truppen erneut und lebt inzwischen in Nottingham. Er schrieb das Buch It Is War!The Strong are Shameless (Bookvault Publishing, 2025). Fred Leplat führte ein Interview mit ihm, das 2023 auf der Webseite von Anti*Capitalist Resistance veröffentlicht worden ist. Ein Interview, das Daria Selyschtschewa und Valerii Petrow mit ihm geführt haben, erschien im April 2024 auf der Webseite der ukrainischen Zeitschrift Spilne/Commons.
[v]Paul Mason (Jg. 1960) ist ein britischer Publizist, Dozent, Wirtschaftsjournalist, Fernsehmoderator, der seit 1995 in London lebt. In seiner Jugend war er Mitglied der Organisation „WorkersʼPower“, die zusammen mit der deutschen Gruppe ArbeiterInnenmacht Teil des 1989 gegründeten „Movement for a Revolutionary Communist International“, ab 2003 „League for the Fifth International“ war. Später distanzierte er sich von der radikalen Linken, so sagte er 2016, er identifiziere sich mit der „radical social democracy“. Von 2001 bis 2013 war er Wirtschaftsredakteur von BBC Newsnight und von 2013 bis 2016 bei Channel 4 News. Ab 2007 veröffentlichte er eine Reihe von Büchern, drei davon sind im Suhrkamp Verlag auf Deutsch erschienen. Er schreibt u. a. eine wöchentliche Kolumne für The New European und eine monatliche Kolumne für die Frankfurter Rundschau (Anm. d. Übers.)