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Agonie einer Produktionsweise

Die Ära der Oligarchen

Von Manuel Kellner | 22.01.2026

Viele Jahre lang waren die „Oligarchen“ in den großen Medien jene Reichen und Superreichen, die sich in Russland und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion große Batzen des vormals angeblichen „Volkseigentums“ unter den Nagel gerissen hatten. Mittlerweile bürgert sich ein, so auch jene Superreichen im Westen – vor allem in den USA – zu nennen, die ihre Macht gnadenlos im eigenen Interesse nutzen und sich direkt und schamlos in die inneren Zirkel auch der unmittelbar politisch Herrschenden einzecken. Nicht umsonst hatten Musk, Bezos, Zuckerberg und ihresgleichen die prominentesten und sichtbarsten Plätze bei der Inthronisierung von Trump vor einem Jahr.

Den aktuellen Nachrichten zufolge gibt es immer noch ein wirtschaftliches Wachstum in den USA. Sicherlich lastet die Teuerung schwer auf den kleinen und kleinsten Einkommen und dem Lebensstandard vieler, die vor einem Jahr noch für Trump gestimmt hatten. Dem entsprechend sinkt seine Popularität. Die Umfragen zeigen, dass inzwischen weniger als 40% der Wahlberechtigten noch hinter ihm stehen. Das Wachstum, wie es sich an der Börse spiegelt, wird von einigen wenigen Großunternehmen getragen, die alle der Hightechbranche angehören und mit der Entwicklung der sogenannten „künstlichen Intelligenz“ eng verbunden sind.

Sie stehen an der Spitze der Nahrungskette im entfesselten Raubtierkapitalismus. In zweiter Linie folgen Finanzdienstleister und Vermögensverwalter à la BlackRock. Nach meinem Eindruck kommen danach die Rüstungsunternehmen, wie ja auch in unserem Land. Dahinter sieht es eher mau aus. Klassische produktive Investitionen lohnen sich kaum noch, die Profitraten sind zu niedrig. Die langanhaltende Periode geringen Wachstums und eines stagnativen Klimas setzt sich fort. Darum die Flucht nach vorn des Kapitals in die verbliebenen und wachsenden Bereiche, die alle Anzeichen eines Todeskampfs der kapitalistischen Produktionsweise in sich konzentrieren.

Womit wird denn da so viel Geld verdient? Recht treffend ist in kritischen Kommentaren von einer „Uberisierung“ der Gesellschaft die Rede. Unternehmen schieben sich zwischen das Angebot von Dienstleistungen und die Verbraucherinnen und Verbraucher. Die wichtigste Quelle ihrer Profite ist die systematische Entwertung der Arbeitskraft, die die entsprechende Dienstleistung erbringt. Der Handel mit immer abstrakteren und von der Realwirtschaft immer losgelösteren Finanzprodukten verspricht Profite in der Weise des alten Handelskapitals, indem Geld von der einen Tasche in die andere wandert. Der Löwenanteil aber wandert in die Taschen der Vermittler. Mit der elektronischen Kommunikation werden Riesenprofite damit erzielt, dass alle persönlichen Informationen aus uns herausgequetscht werden, die für unser Kaufverhalten von Belang sind.  Die Waffen wiederum können sich nur in einer Weise amortisieren: indem sie eingesetzt werden und uns alle dem Untergang im Weltenbrand näherbringen.

Aber Momentchen mal, wächst nicht doch etwas ganz rasant? Natürlich: die Ungleichheit. Im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums von Davos hat Oxfam erklärt, dass das Vermögen der Milliardäre 2025 um 2,5 Billionen Dollar angestiegen ist (dreimal schneller als in den Vorjahren). Das Kettensägenmonster Elon Musk verdient in vier Sekunden das durchschnittliche weltweite Jahreseinkommen. Das Gesamtvermögen der Milliardäre hat 2025 18,3 Billionen Dollar erreicht. Der arme und ärmere Teil der Weltbevölkerung hat nur 0,52% des weltweiten Vermögens, der reichste aber 43,8%. Fast die Hälfte der Menschheit lebt in bitterer Armut.

Ich finde es nicht verwunderlich, dass solche Verhältnisse zur Megalomanie und zum völligen Verlust der Empathie bei den Reichen und Mächtigen führt. Absolute Straflosigkeit bei egal welchen Verbrechen, das Aufkommen eines politischen Führungspersonals ohne jegliche Skrupel und die Durchsetzung des offen vertretenen Rechts des – militärisch – Stärkeren beschwört eine Zivilisationskrise herauf und kündet das nahende Ende der kapitalistischen Produktionsweise an. Wie ich hier schon einmal ausgeführt hatte, ist die Gefahr groß, dass danach noch etwas Schlimmeres kommt: der von Warlords aller Sorten geführte permanente Krieg um die schwindenden natürlichen Ressourcen unserer Erde.

Beispiele für die zunehmende Barbarisierung der Verhältnisse sehen wir auch im eigenen Land. Der CDU-Kanzler Friedrich Merz wettert gegen die arbeitenden Menschen, weil sie sich krankschreiben lassen, wenn sie krank sind. Überhaupt werde in Deutschland zu wenig gearbeitet, während er den Steuerknüppel seines Privatjets ja auch mit 70 nicht aus der Hand gibt. Wahnsinn ist, dass eine immer noch wachsende Zahl der Deutschen glaubt, die AfD sei die konsequente Opposition gegen die etablierte Politik. Im Bundestag hat sie sich vehement für ein noch schärferes Vorgehen gegen Erwerbslose ausgesprochen. Nicht nur gegen eingewanderte Menschen und unterdrückte Minderheiten der Bevölkerung hetzt sie, sondern auch gegen diejenigen Deutschen, die am meisten benachteiligt und am schlechtesten gestellt sind.

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