Der Fall von El Fasher und seine Hintergründe
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Sudan

Der Fall von El Fasher und seine Hintergründe

Von von Khalid Sidahmed | 14.11.2025

El-Fasher war die Hauptstadt von Nord-Darfur und die letzte verbliebene Hochburg der sudanesischen Streitkräfte (SAF) in der Region. Der Fall der Stadt markiert ein schreckliches neues Kapitel im konterrevolutionären Krieg im Sudan. Die Stadt, einst ein stolzes Handelszentrum und Ort der Gemeinschaft sowie des Widerstands, wurde Ende Oktober 2025 nach mehr als 18 Monaten Belagerung von den Milizen der Rapid Support Forces (RSF) eingenommen. Diese verübten unbeschreibliche Gäueltaten.

Augenzeug:innen und Menschenrechtsgruppen haben Gräueltaten in grossem Umfang dokumentiert. Sie berichten von ethnischen Säuberungen, Massenhinrichtungen, Blockaden von Nahrungsmitteln und medizinischer Hilfe, Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt sowie von gezielten Angriffen auf flüchtende Zivilist:innen.

Was in El Fasher geschieht, ist keine isolierte Tragödie. Es ist die jüngste und blutigste Episode in einem Krieg zwischen zwei rivalisierenden Milizen. Auf der einen Seite stehen die SAF, die von Überresten des alten Regimes der Muslimbruderschaft dominiert werden – mit einer langen Geschichte staatlicher Gewalt und Völkermord. Auf der anderen kämpfen die RSF, eine paramilitärische Truppe, die aus den Janjaweed-Milizen hervorgegangen ist, die für den Völkermord in Darfur in den 2000er Jahren verantwortlich zeichnen. Beide Kräfte sind aus demselben repressiven Staat hervorgegangen, den die Revolution von 2018 zu stürzen versuchte.

Seit Ausbruch der Kämpfe im April 2023 wurden Hunderttausende Menschen ermordet und über 15 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben – die Rede ist von der grössten humanitären Krise weltweit.

Die missbrauchte Revolution

Der aktuelle Krieg ist eine direkte Folge der Konterrevolution gegen die sudanesische Revolution von 2018. Millionen Menschen gingen in einem massenhaften, gewaltfreien Aufstand auf die Strasse, um die 30-jährige Diktatur von Omar al-Bashir zu stürzen. Organisiert wurde der Aufstand von den Nachbarschafts-Widerstandskomitees (Resistance Comittee, RC), der Sudanese Professional Association (SPA), einem Zusammenschluss etablierter Oppositionsparteien (Forces of Freedom and Change – FFC) sowie von Frauen- und Student:innenenorganisationen. Die Slogans der Revolution – „Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit“ – waren eine Absage an die jahrzehntelange Militärherrschaft, kapitalistische Ausbeutung, Ungleichheit und staatlich geförderte Gewalt.

Die grösste Stärke der Revolution war auch ihr Schwachpunkt: ihre Spontaneität ihr Graswurzel-Charakter. Es fehlte eine organisierte, unabhängige revolutionäre Partei, die in der Lage gewesen wäre, die Massen anzuführen, um die Macht zu ergreifen und den Staatsapparat und die Strukturen des alten Regimes zu zerschlagen. In Ermangelung einer solchen Führung gab die FFC unter dem Druck regionaler Mächte und westlicher Regierungen die Errungenschaften der Revolution preis. Das Ergebnis war 2019 ein Machtteilungs-Abkommen mit den Generälen der alten Ordnung. Anstelle eines Schritts in Richtung Demokratie, stellte es einen strategischen Rückzug dar: kein Antasten der kapitalistischen Verhältnisse, Legitimierung der Militärjunta und Intakthaltung des Sicherheitsapparats. In den Mittelpunkt der neuen Ordnung stellte das Abkommen die beiden militärischen Architekten der Konterrevolution: General Abdel Fattah al-Burhan von den sudanesischen Streitkräften (SAF) und General Mohamed Hamdan Dagalo („Hemedti“) von den Rapid Support Forces (RSF).

Auf ihr gemeinsames Konto gehen die Ermordung und Folterung Zehntausender Revolutionär:innen, das Massaker an 14 Sit-Ins vom 3. Juni 2019, bei denen Tausende Menschen getötet wurden, sowie der Putsch vom Oktober 2021, bei dem die Übergangsregierung aufgelöst und die zivilen Minister und revolutionären Kräfte entführt wurden.

Der Krieg, der im April 2023 ausbrach, war die unvermeidliche Folge dieses gescheiterten Kompromisses – ein gewaltsamer Zusammenstoss zwischen zwei rivalisierenden Milizen ein und desselben Regimes, die jeweils um die Kontrolle über den Staat und seine Reichtümer kämpften. Was wir heute erleben, ist nicht der Zusammenbruch der Revolution im Sudan – sondern der Bankrott der konterrevolutionären Kräfte, die sie zu zerstören beabsichtigten.

El Fasher: Ein unfassbares Verbrechen

Der Fall von El Fasher am 27. Oktober 2025 erfolgte nach einer 18-monatigen Belagerung und nachdem die SAF einige Monate zuvor zugestimmt hatte, den RSF-Truppen die Rückkehr aus anderen Regionen, darunter Khartum, zu gestatten. Dies stellt eine katastrophale Eskalation des andauernden Krieges im Sudan dar.

Berichte vor Ort zeichnen ein Bild von unvorstellbarem Schrecken:

  • Massenhafte Tötungen: Mindestens 1500 bis 2000 Zivilist:innen wurden in den ersten Tagen nach der Machtübernahme durch die RSF getötet, als sie versuchten zu fliehen.
  • Massaker in Krankenhäusern: In einem abscheulichen Kriegsverbrechen stürmten RSF-Kämpfer das saudische Geburtsklinik und „töteten kaltblütig alle, die sie darin vorfanden“, darunter Patient:innen, deren Angehörige und medizinisches Personal. Die Weltgesundheitsorganisation berichtete, dass bei diesem einzigen Angriff 460 Menschen getötet wurden.
  • Ethnische Säuberungen: Die Gewalt ist geprägt von einer gezielten und systematischen Kampagne der Tötung und Ausrottung, die sich gegen nicht-arabische ethnische Gruppen wie die Zaghawa und Masalit richtet und an die Gräueltaten vor 20 Jahren erinnert.
  • Verbreitete Gräueltaten: Überlebende berichten von aussergerichtlichen Hinrichtungen, Hausdurchsuchungen, weit verbreiteter sexueller Gewalt und Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen sowie der Ermordung flüchtender Zivilist:innen. Es sind Videos aufgetaucht, die zeigen, wie RSF-Kämpfer unbewaffnete Männer hinrichten.

In einer Erklärung verurteilte die Sudanese Doctors‘ Union der UK die Ereignisse in El Fasher als „Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit” und warnte, dass „diese Handlungen die Gefahr einer unmittelbar bevorstehenden und gross angelegten humanitären Katastrophe darstellen”.

Die SAF ihrerseits kündigte einen Rückzug an – genau wie in anderen Städten wie Madani und Sinja – und verwies dabei auf die Massenmorde der RSF an Zivilist:innen. In Wirklichkeit handelte es sich hierbei nicht um ein taktisches Versagen, sondern um eine kalkulierte politische Entscheidung. Die SAF entschied sich, die verbleibenden 250’000 Einwohner:innen von El Fasher ihrem Schicksal zu überlassen und tauschte Leben gegen politisches Überleben ein. Indem sie die RSF-Truppen ungehindert von anderen Fronten zurückziehen liess, opferte die SAF bereitwillig Darfur und seine Bevölkerung, um die Kontrolle über Khartum und die Region zu festigen und die eigene Macht der SAF zu schützen – was einmal mehr beweist, dass beide Milizen nur den Interessen der herrschenden Klasse dienen, nicht denen des sudanesischen Volkes.

Die sudanesischen Widerstandskomitees und Widerstandskräfte, die die Revolutionäre Charta zur Errichtung der Volksmacht unterzeichnet haben, legten eine klare doppelte Verantwortung fest:

«Wir machen die Rapid Support Forces (RSF) – die Janjaweed-Miliz – und ihre regionale und internationale Verbündeten, angeführt von den Vereinigten Arabischen Emiraten, voll verantwortlich für diese Massaker, Verstösse, Morde, Plünderungen und alle Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die den Grad eines Völkermords erreichen.»

Entscheidend ist, dass sie die Rolle der Armee beim Verrat an der Zivilbevölkerung ebenso scharf verurteilten: «Wir machen auch die Armeeführung dafür verantwortlich, dass sie ihre Pflicht zum Schutz unbewaffneter Zivilist:innen aufgegeben hat und diese allein dem Faschismus der Janjaweed-Milizen ausgesetzt hat. Ihre Handlungen – die Mobilisierung von Streitkräften, die Eskalation des Krieges und die Tatsache, dass sie die Zivilbevölkerung zwingen, die Kosten dieser Entscheidungen zu tragen – sind zu einem anhaltenden und bewussten Muster geworden.»

Die grausame Realität ist, dass das, was in der Region Darfur geschieht, keine plötzliche Tragödie ist, sondern die Fortsetzung jahrzehntelanger Verbrechen, die von der sudanesischen Militärregierung im ganzen Sudan auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Phasen begangen wurden; es ist das Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Vernachlässigung, des Wettbewerbs um Ressourcen und staatlich geförderter und stellvertretender Gewalt, die Jahrzehnte zurückreicht.

Globaler Imperialismus und die Gefahr der Teilung

Der Krieg im Sudan ist nicht einfach ein Konflikt zwischen zwei bewaffneten Fraktionen innerhalb eines Staates – er ist eine Krise, die durch die Gier und die strategischen Interessen globaler und regionaler Mächte angetrieben und verschärft wird. Was als Kampf rivalisierender Milizen begann, hat sich zu einem Stellvertreterkrieg entwickelt, in dem imperialistische Staaten und Nachbarregime um die Kontrolle über Sudans Gold, natürliche Ressourcen, fruchtbares Land und seine strategisch wichtige Lage am Roten Meer konkurrieren.

FraktionAusländische UnterstützerInteressen
Rapid Support Forces (RSF)Vereinigte Arabische Emirate (VAE): Hauptunterstützer, liefert moderne Waffen (darunter chinesische Drohnen), finanzielle Hilfe und logistische Routen. Russland: Die Wagner-Gruppe bietet militärische Unterstützung im Austausch für Zugang zu Sudans lukrativen Goldminen. Libyen (Haftar) & Tschad: Dienen als logistische Drehkreuze und Transitrouten für Waffen und Kämpfer.Kontrolle über Goldminen, landwirtschaftliche Flächen sowie strategischen Zugang zum Roten Meer und zur Sahelzone.
Sudanesische Streitkräfte (SAF)Ägypten: Bietet militärische und politische Unterstützung, um seine Südgrenze zu sichern und Einfluss auf die Nilwasserressourcen zu behalten. Türkei: Lieferte Bayraktar-TB2-Drohnen, um die Luftmacht der SAF zu stärken. Iran & Saudi-Arabien: Gewähren in unterschiedlichem Masse militärische und finanzielle Hilfe, um Rivalen entgegenzuwirken und regionalen Einfluss zu sichern.Aufrechterhaltung der Kontrolle des traditionellen Militärs über Staat und Wirtschaft, Sicherung von Land- und Ressourcenbesitz sowie strategischer Ressourcen.

Während viele Staaten in die Bewaffnung oder Finanzierung einer oder beider Seiten verwickelt sind, zeigt die Tabelle oben nur die wichtigsten Akteur:innen, die dieses Blutvergiessen direkt aufrechterhalten.

Die USA und europäische Regierungen äussern ihre routinemässigen Verurteilungen „beider Seiten“, während sie gleichzeitig über ihre regionalen Verbündeten und Stellvertreter dieselben Milizen weiter unterstützen. Waffen und Geld fliessen ungehindert aus den Golfmonarchien und Nachbarstaaten und sorgen dafür, dass die Kriegsmaschinerie stetig Nachschub erhält. Dieselben Regierungen, die im Rahmen des sogenannten Khartoum-Prozesses die RSF finanziert und aufgebaut haben – im Austausch für Europas Grenzsicherung – und die seit Beginn die Revolution 2018 stoppen wollten, geben sich nun als neutrale Friedensvermittler. Ihr eigentliches Anliegen ist jedoch nicht das Leid der sudanesischen Bevölkerung, sondern die Aufrechterhaltung einer regionalen Ordnung, die Profite, Handelsrouten und den Raub von Ressourcen schützt.

Das ist der moderne Imperialismus – nicht mehr die direkte koloniale Herrschaft vergangener Zeiten, sondern Dominanz durch Klienten, Verträge und Chaos. Die Weltmächte müssen keine Flaggen mehr hissen; sie sichern ihre Kontrolle, indem sie jene finanzieren, die ihre Interessen wahren, ungeachtet der menschlichen Kosten.

Diese internationale Einmischung hat den Krieg nicht nur verlängert, sondern treibt das Land aktiv in die Zersplitterung. Der Fall von El Fasher verschafft der RSF nahezu vollständige Kontrolle über die riesige Region Darfur, die fast so gross wie Frankreich ist. Die RSF hat bereits eine parallele „Regierung des Friedens und der Einheit“ eingerichtet, um ihre Gebiete von Darfur aus zu verwalten, während die von der SAF geführte Regierung vom Port Sudan am Roten Meer aus operiert. Keine dieser sogenannten Regierungen besitzt Legitimität oder Unterstützung in der Bevölkerung. Diese faktische Teilung, eine Spaltung des Landes entlang einer Ost-West-Grenze, wird von einigen regionalen Akteur:innen bereits als akzeptables Ergebnis betrachtet, ähnlich der Teilung Libyens.

Unterdessen schaffen und bewaffnen beide Milizen neue Streitkräfte, was die Zersplitterung Sudans beschleunigt und die Gesellschaft zerreisst. Dies verwandelt den Krieg zu einem umfassenden Bürger:innenkonflikt, der nicht nur Sudan, sondern die gesamte Region bedroht. Mitte 2024 beherbergten die östlichen Bundesstaaten allein bereits mindestens 22 Milizen zusätzlich zu den Kräften von SAF und RSF – eine Zahl, die weiter gestiegen ist, da der Krieg eskaliert und Überreste des alten Regimes zur öffentlichen Mobilisierung aufrufen. Militarisierung prägt nun den Alltag im Sudan, die Zivilbevölkerung trägt die schwerste Last eines Krieges, der von Macht, Profit und ausländischer Gier getrieben wird.

Ablehnung beider Milizen und Aufdeckung globaler Mitschuld

Wir müssen die falsche Wahl zwischen den Milizen SAF und RSF sowie die Propaganda zurückweisen, die versucht, eine der beiden Seiten zu legitimieren. Wie MENA Solidarity [London] betont, sind beide Feinde der Revolution von 2018, gleichermassen verbrecherisch und Hindernisse für revolutionäre Veränderung.

Ebenso ist es entscheidend, nicht nur einen einzelnen Kriegsförderer zu verurteilen, etwa die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), obwohl diese eine führende Rolle bei der Bewaffnung, Finanzierung und Aufrechterhaltung der RSF-Kriegsmaschinerie spielen. Eine solche einseitige Fokussierung verschleiert das grössere Netz der Mitschuld: Die VAE agieren innerhalb eines globalen imperialistischen Systems, in dem westliche Mächte, Golfmonarchien und regionale Regime gemeinsam Verantwortung für die Zerstörung des Sudan tragen. Wenn man nur einen Staat herausgreift, können andere sich hinter leeren „Besorgnis“-Erklärungen verstecken – während sie weiterhin vom Krieg profitieren. Unsere Aufgabe besteht darin, das gesamte System aufzudecken und zu bekämpfen, das Konterrevolution und imperialistische Ausbeutung ermöglicht, nicht nur eines seiner sichtbaren Gesichter.

Ein Aufruf zu internationaler Solidarität

Die Tragödie des Sudan ist eine eindringliche Lehre über die Dynamik von Revolution, Konterrevolution und Imperialismus. Die Welt hat das sudanesische Volk im Stich gelassen – mit Gleichgültigkeit und Resignation angesichts von Zerstörung und Massenmord. Die Lösung dieser Krise wird weder durch die Unterstützung einer Miliz gegen die andere noch durch die gescheiterten diplomatischen Initiativen jener Mächte kommen, die den Krieg selbst befeuern.

Als Gewerkschafter:innen, Sozialist:innen und alle, die an Gerechtigkeit glauben, muss unsere Antwort auf einer klassenbasierten, internationalistischen Politik beruhen – jener Politik, die die Revolution von 2018 geprägt hat. Das bedeutet:

  • Wir fordern von unseren Regierungen, alle Waffenverkäufe und jede Unterstützung für die kämpfenden Milizen und ihre regionalen Unterstützer zu beenden.
  • Kampagnen, um die Rolle von Konzernen und Staaten offenzulegen, die vom Krieg im Sudan profitieren und seine Ressourcen plündern.[1]
  • Direkte finanzielle und politische Unterstützung für die Sudanese Doctors Union im Vereinigten Königreich.
  • Verstärkung der Stimmen sudanesischer Arbeiter:innen, Berufsverbände, Frauenorganisationen, Notfallnetzwerke und Widerstandskomitees, die zivile Herrschaft, Rechenschaftspflicht und die Auflösung der Milizen fordern – nicht hohle technokratische Kompromisse, die Militär und Sicherheitsapparat unangetastet lassen.
  • Aufbau koordinierter internationaler Arbeiter:innensolidarität: Solidaritätskundgebungen, Gewerkschaftsanträge, parlamentarische Anfragen, Spendenaktionen für gegenseitige Hilfe und direkte Unterstützung sudanesischer zivilgesellschaftlicher Gruppen, die Menschenrechtsverletzungen dokumentieren.
  • Verknüpfung des Kampfes der sudanesischen Arbeiter:innen und Revolutionär:innen mit unseren eigenen Kämpfen gegen Krieg, Austerität und Rassismus im eigenen Land.

Übersetzung durch die Redaktion

[1] Gold ist die wichtigste Ressource, die den Krieg im Sudan finanziert. Das Edelmetall wird in der Regel in die Vereinigten Arabischen Emirate ausgeführt, einen für die Schweiz zunehmend wichtigen Partner. Im Gegenzug für ihre militärische Unterstützung der RSF erhalten die VAE das Gold aus den Minen, die von den paramilitärischen Kräften der RSF kontrolliert werden, die sich im April 2023 gegen die sudanesische Armee gewandt haben. Doch auch letztere exportiert Gold nach Dubai. Das gelbe Metall ist die wichtigste Ressource des Landes. In den letzten Tagen haben die VAE auf einem UN-Portal kurzzeitig ihre Goldhandel-Statistiken veröffentlicht – eine flüchtige Veröffentlichung, die der Schweizer NGO Swissaid nicht entgangen ist, die seit Jahren den Finanzplatz Dubai kritisiert. „Im Jahr 2024 haben die VAE 29 Tonnen Gold direkt aus dem Sudan importiert, gegenüber 17 Tonnen im Jahr 2023, sowie erhebliche Mengen, die über die Nachbarländer transitieren – Fluchtrouten für das von den RSF kontrollierte Gold“, führt eine Medienmitteilung der NGO vom Dienstag aus. Die Schweiz ist direkt involviert, da sie massiv Gold aus den VAE importiert. Nach Angaben der von Swissaid ausgewerteten Zolldaten hat Bern zwischen Januar und September 2025 insgesamt 316 Tonnen Gold im Wert von 27 Milliarden Franken aus dem Golfstaat eingeführt — doppelt so viel wie sonst üblich in einem ganzen Jahr. „Das Risiko, dass sudanesisches Gold oder solches aus anderen Kriegsgebieten in der Schweiz landet, ist sehr hoch“, kommentiert Marc Ummel, bei Swissaid verantwortlich für das Thema Rohstoffe. Absolute Gewissheit hat der Experte allerdings nicht — denn der Sudan ist nur eines der zahlreichen Länder, aus denen sich die VAE mit Gold versorgen.“ [Fussnote von alencontre.org]

Aus dem englischen von menasolidaritynetwork.com, Übersetzung von der BfS aus der Schweiz

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