Solidarität mit den Protesten des marokkanischen Volkes in der Rif-Region

Foto: inprecor/jr

Erklärung des Büros der IV. Internationale

Solidarität mit den Protesten des marokkanischen Volkes in der Rif-Region

Von Büro der IV. Internationale | 11. Juni 2017

Seit sieben Monaten gibt es eine zunehmende Protestbewegung der Bevölkerung in der nordmarokkanischen Region der Rif-Region. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte sie am 18. Mai, als sich mehrere Zehntausend Demonstranten in Al Hoceïma versammelten. Die Bewegung geht auf die Mobilisierungen ab dem 20. Februar 2011 in der Region zurück, die damals als marokkanischer Ausdruck des Arabischen Frühlings entstanden waren. Im Oktober 2016 erhielt diese Bewegung wieder Auftrieb, als der junge Fischhändler Mohsen Fikri in einem Mülltransporter zermalmt wurde.

Die in örtlichen Komitees organisierte Bevölkerung fordert die Bestrafung der Verantwortlichen für diesen Fall sowie fünf weitere Toten, die während der Ereignisse vom 20. Februar 2011 in einem Bankgebäude ums Leben gekommen sind. Weiterhin verlangen sie die Aufhebung des Kriegsrechts in der Provinz Al Hoceïma und ein Ende der Kriminalisierung und Drangsalierung der Kleinbauern [wegen Anbau von Cannabis]. Weitere soziale Forderungen betreffen das Gesundheits- und Erziehungswesen und die fehlenden Infrastrukturen. Dies ist ein klarer Hinweis auf das Versagen der Wirtschafts- und Sozialpolitik des marokkanischen Staates, der für die Begleichung seiner enormen Außenschulden die Zerstörung des heimischen Produktionssektors, die Plünderung der Meeres- und Waldressourcen, den Verfall der öffentlichen Daseinsfürsorge und eine massive Jugendarbeitslosigkeit in Kauf nimmt.

Diese neoliberale Politik im Dienst des internationalen und nationalen Großkapitals, die dem Land von den internationalen Finanz- und Handelsinstitutionen und den Regierungen der imperialistischen Groß­mächte auferlegt wird, wird von den korrupten und durch und durch undemokratischen marokkanischen Institutionen umgesetzt. Sämtliche Regierungs-, Sicherheits- und Verlautbarungsorgane der herrschenden Monarchie versuchen, die Bevölkerung der Rif-Region mundtot zu machen, die Protestbewegung zu kriminalisieren und zu diskreditieren. Dadurch wollen sie verhindern, dass sich andere Städte und Regionen Marokkos, die ebenso unter Ausgrenzung, Verarmung und Entwürdigung leiden, an den Protesten ein Beispiel nehmen [was inzwischen mit täglichen Demonstrationen etwa in Rabat und Casablanca der Fall ist].

Wir begrüßen die Kampfbereitschaft, die Organisierung an der Basis, die Kreativität und die Entschlossenheit der Bevölkerung im Rif sowie alle Kräfte, die diesen Kampf in Marokko unterstützen.

Wir verurteilen die Repressions- und Desinformationspolitik des marokkanischen Staates.

Wir rufen zu einer breiten internationalen Solidarität auf, damit diese Bewegung ihre Forderungen durchsetzen und ihre sozialen, demokratischen und kulturellen Lebensbedingungen spürbar verbessern kann. Diese Forderungen werden von allen Schichten der einfachen Bevölkerung in Marokko und den angrenzenden Ländern, die sich vom politischen Despotismus und der kapitalistischen Ausbeutung befreien wollen, gleichermaßen getragen.

Für den Sieg des Volkes in der Rif-Region!

Lang lebe der Kampf für Freiheit, Würde und soziale Gerechtigkeit!

29. Mai 2017

Aus dem Französischen übersetzt von MiWe

http://www.inprecor.fr/article-MAROC-Solidarit%C3%A9%20avec%20les%20mobilisations%20dans%20le%20Rif?id=2015
http://www.internationalviewpoint.org/spip.php?article5001

Siehe auch:
http://www.labournet.de/internationales/marokko/soziale_konflikte-marokko/massenhafte-festnahmen-und-demonstrationsverbote-koennen-die-proteste-im-norden-marokkos-nicht-stoppen/
„Soziale Protestbewegung in Marokko. ,Wir werden nicht aufgebenʻ“, http://www.taz.de/Soziale-Protestbewegung-in-Marokko/!5411907/

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