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Kultur

Eine Lese-Empfehlung: Dieter Reinisch (Hrsg.),“Der Urkommunismus“

Von Bernhard Brosius | 28. Dezember 2012

Im Oktober 2012 erschien im Wiener Promedia-Verlag in der Reihe „Linke Klassiker“ ein Sammelband mit Texten zum „Urkommunismus“. Denn die derzeitigen archäologischen Grabungen, insbesondere im anatolischen Çatal Hüyük, einer egalitären Siedlung der Jungsteinzeit, in der 8.000 Menschen 1.000 Jahre lang friedlich zusammenlebten, haben erneut eine Diskussion über Urkommunismus beginnen lassen.

Im Oktober 2012 erschien im Wiener Promedia-Verlag in der Reihe „Linke Klassiker“ ein Sammelband mit Texten zum „Urkommunismus“. Denn die derzeitigen archäologischen Grabungen, insbesondere im anatolischen Çatal Hüyük, einer egalitären Siedlung der Jungsteinzeit, in der 8.000 Menschen 1.000 Jahre lang friedlich zusammenlebten, haben erneut eine Diskussion über Urkommunismus beginnen lassen.

In dem Buch versammelt sind wichtige, sorgfältig ausgewählte Originaltexte, von denen viele heute nur schwer zugänglich sind. Einige mussten für diese Ausgabe erst noch aus der alten Frakturschrift übertragen werden, die meisten englischen Veröffentlichungen wurden vom Herausgeber erstmals ins Deutsche übersetzt.
Das erste Kapitel ist den „Klassikern“ des Urkommunismus gewidmet mit Texten von Friedrich Engels bis Ernest Mandel. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Besonderheit, dass die Besinnung auf die Vorgeschichte eine ideologische Funktion für linke Nationalisten besitzt und enthält außer einem Aufsatz von Abdullah Öcalan, dem ehemaligen Vorsitzenden der kurdischen PKK, mehrere Schriften aus der Zeit des irischen Kampfes um die Unabhängigkeit. Ein eigenes Kapitel ist Positionen aus der UdSSR und der DDR gewidmet. Und in Kapitel IV finden wir Texte von Vere Gordon Childe, dem bedeutenden marxistischen Archäologen, und Marija Gimbutas, deren Arbeiten grundlegend waren für die feministische Matriarchatsforschung, sowie die „Überlegungen zum Urkommunismus“ des kanadischen Kulturanthropologen Richard B. Lee von 1988.
Das fünfte und letzte Kapitel ist gänzlich Texten aus unserem noch jungen Jahrhundert gewidmet. Zuerst kommen Vertreter der britischen „Radical Anthropology Group“ (RAG) zu Wort, sodann jene Archäologen, die zurzeit in Anatolien die Ausgrabungen an den Zentren des ‘neolithischen Kommunismus’ leiten.
Außer den Originalschriften enthält das Buch überdies erläuternde Kästen, eine Zeitleiste, Kurzbiographien sämtlicher Autorinnen und Autoren sowie ein ausführliches und weiterführendes Literaturverzeichnis.
Der Herausgeber, Dieter Reinisch, ist Historiker und Sprachwissenschaftler, arbeitet selbst als Archäologe und hat eine hervorragende Einleitung zu diesem Band verfasst.
Diese vermittelt eine gute Vorstellung von der Entwicklung des Konzeptes „Urkommunismus“. Durch die sorgfältige und umfassende Einordnung der einzelnen Texte in ihr zeitliches Umfeld und in den Entwicklungsstand der marxistischen Theorie erhalten Leserin und Leser die notwendigen Informationen, um die folgenden Schriften einordnen zu können.
Es ist erfreulich, dass nun eine wirklich gute Einführung in den „Urkommunismus“ vorliegt und so wesentliche Basistexte für die Diskussion um dieses Thema zur Verfügung stehen. Diesem Buch sind viele Leserinnen und Leser zu wünschen.

„Der Urkommunismus – Auf den Spuren der egalitären Gesellschaft“
Dieter Reinisch (Hrsg.)
Edition Linke Klassiker, Promedia Verlag Wien
176 Seiten, 12,90 Euro
ISBN 978-3-85371-350-1

 

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