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Ökologie

COP21: Die Katastrophe rollt an

Von RSB und isl | 1. Januar 2016

Gemeinsamer Flyer von isl und RSB anlässlich des "Weltklimagipfels" COP21 in Paris: Das Erdklima verändert sich schnell, viel schneller als von den ExpertInnen erwartet. Über die Ursache gibt es keinen Zweifel: Die Erwärmung der Atmosphäre ist Ergebnis der Emission von Treibhausgasen, vor allem CO2 aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Erdgas.

Die Erde hat sich in den letzten zwei Jahrhunderten um 0,8° C erwärmt. Dies reicht aus, um einen Anstieg des Meeresspiegels um fast zwei Meter in den kommenden Jahrhunderten zu bewirken. Niemand kann dies stoppen. Hunderte Millionen Menschen werden umziehen müssen, Millionen von Hektar Land für den Anbau von Nahrungsmitteln werden verloren gehen, ganze Städte werden evakuiert werden müssen. Die Völker des Südens, die am wenigsten verantwortlich sind, werden am stärksten betroffen sein.

Die Regierungen haben die Warnungen ignoriert. 23 Jahre nach dem Gipfel von Rio steigen die jährlichen Emissionen der globalen Treibhausgase doppelt so schnell wie in den 1990er Jahren. Und dies trotz der Wirtschaftskrise!

Wenn es so weitergeht, wird die Erwärmung am Ende des Jahrhunderts nicht 2° C, sondern 6° C betragen. Dies führt zu schrecklichen Katastrophen, die heute noch völlig unvorstellbar sind.

COP 21: Sand in die Augen der Menschen, Geschenke für die Bosse

Die Dringlichkeit ist enorm, weil die Maßnahmen, die wir ergreifen müssen, seit Jahrzehnten verschoben wurden.

Die „entwickelten“ Länder müssen sofort damit beginnen, ihre Emissionen um mindestens 10 % pro Jahr zu reduzieren und bis 2050 vollständig zu beenden. Die größeren Schwellenländer müssen schnell folgen. Andere Länder haben noch einen Spielraum, der aber schnell kleiner wird.

Wenn sich nichts ändert, wird die Menge an Öl, Kohle und Erdgas, die verbrannt werden darf, ohne das globale Klima um mehr als 2° C zu erwärmen, im Jahre 2030 erschöpft sein.

Im Dezember 2015 wird in Paris die 21. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP21) stattfinden. Das politische Führungspersonal versucht uns hinters Licht zu führen, indem sie behaupten, sie würden dieses Mal ein „ehrgeiziges“ Abkommen vereinbaren.

Es stimmt, dass sie vielleicht ein Abkommen schließen, um das Gesicht zu wahren. Aber es ist sicher, dass dieses Abkommen ökologisch völlig unzureichend und sozial sehr ungerecht sein wird.

Sein Inhalt wird im Voraus durch die Verpflichtungen der wichtigsten Verursacher bestimmt: Vereinigte Staaten von Amerika, Europäische Union, China, Japan, Australien und Kanada. Auf dieser Grundlage wird die Erwärmung der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts mindestens 3,6 bis 4° C betragen.

Diese Verpflichtungen wurden mit den Industrie- und Finanzlobbys ausgehandelt und sind auf ihre Interessen zugeschnitten. Die multinationalen Unternehmen reiben sich bei der Aussicht auf neue Märkte die Hände: Kohlenstoffmärkte, „grüne“ Technologien, Ausgleichsaufforstungen, CO2-Abscheidung und -Lagerung, Anpassung an die Auswirkungen der globalen Erwärmung und so weiter.

Aber eine Erwärmung um 4° C bedeutet sowohl einen langfristigen Anstieg des Meeresspiegels um 10 Meter als auch unmittelbare Auswirkungen wie den beschleunigten Rückgang der biologischen Vielfalt; mehr und heftigere Stürme, Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen; Verringerung der landwirtschaftlichen Produktivität und so weiter.

Kapitalismus oder Klima retten?

Die Wahrheit ist seit Jahrzehnten bekannt. Der IPCC (Weltklimarat) ist eine zwischenstaatliche Einrichtung; Staaten sollen den Hauptlinien seiner Berichte folgen. Technische Lösungen existieren, die finanziellen Mittel auch. Warum also ergreifen die Regierungen nicht die erforderlichen Maßnahmen? Warum empfehlen sie falsche oder gefährliche „Lösungen“ wie Fracking, Biotreibstoffe, Atomenergie, Geo-Engineering und so weiter?

Die Antwort ist einfach: Weil die Regierungen im Dienst der multinationalen Konzerne und Banken stehen, die einen Konkurrenzkrieg für maximalen Gewinn führen, ein Krieg, der Unternehmen zwingt, immer mehr zu produzieren (und damit noch mehr Ressourcen zu verbrauchen) – und mehr als 80 % der verbrauchten Energie stammt aus Kohle, Erdöl und Erdgas.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Rettung des Klimas sind:

  1. Vier Fünftel der bekannten Reserven an fossilen Brennstoffen müssen im Boden bleiben;
  2. das Energiesystem auf der Grundlage dieser fossilen Quellen (und der Kernenergie) muss so schnell wie möglich und ohne Entschädigung abgewickelt werden;
  3. Produktion, die schädlich, unnötig oder von geplantem Verschleiß geprägt ist, muss aufgegeben werden, um den Verbrauch von Energie und anderen Ressourcen zu reduzieren;
  4. das despotisch produktivistisch/konsumistische und ungerechte System muss durch ein erneuerbares System ersetzt werden, das effizient, dezentral, sozial und demokratisch ist.


Es ist möglich, die Klimakatastrophe zu stoppen und gleichzeitig allen ein Leben in Würde zu garantieren. Unter einer Bedingung: Antikapitalistische Maßnahmen müssen ergriffen werden. Regierungen ziehen es vor, den Planeten zu zerstören, das Leben von Hunderten von Millionen armer Menschen zu gefährden – ArbeiterInnen, Bauern und Bäuerinnen, Frauen und junge Menschen, die bereits Opfer des Klimawandels sind – und bedrohen die Menschheit mit barbarischem Chaos, während die Waffenhändler profitieren.

Das Kapital betrachtet Natur und Arbeit als sein Eigentum. Klima-Sofortmaßnahmen und soziale Gerechtigkeit stehen nicht alternativ gegeneinander; sie sind ein und derselbe Kampf. Setzen wir uns dafür ein! Bekräftigen wir unsere Rechte, entwickeln unsere Kämpfe, unternehmen gemeinsame Aktionen und schaffen eine globale Massenbewegung – über die COP21-Konferenz hinaus.

Alle gemeinsam aktiv werden!

Die fossilen multinationalen Konzerne werden ihren Griff verstärken müssen. Fallen wir ihnen in den Arm! Mobilisieren wir gegen Infrastrukturprojekte, die zu ihrem Nutzen sind: neue Flughäfen, neue Pipelines, neue Autobahnen und den neuen Wahnsinn des Fracking. Verurteilen wir Steuervorteile und andere Unterstützungen für See-, Luft- und Straßenverkehrsunternehmen.

Die „entwickelten“ Länder, die hauptsächlich für die globale Erwärmung verantwortlich sind und die Flüchtlinge zurückschicken wollen, die sich wegen der durch ihre Politik der Beherrschung und steigender Waffenexporte verursachten Krisen auf den Weg machen. Gegen die Mauern und die Lager der Festung Europa, für das Asylrecht von Klimaflüchtlingen.

Agrarbusiness und Forstwirtschaft sind für 40 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Mobilisieren wir gegen gentechnisch veränderte Organismen, unterstützen wir lokale kleinbäuerliche Biolandwirtschaft und Ernährungssouveränität. Bilden wir Netzwerke und Zusammenschlüsse von ProduzentInnen und KonsumentInnen. Unterstützen wir die Rechte der indigenen Völker auf ihre
Ressourcen und die Kämpfe der Frauen, die 80 % der Lebensmittel in den Ländern des Südens produzieren.

Wir sind Zeugen einer Katastrophe der biologischen Vielfalt. Man nennt es das sechste Massenaussterben: das größte Artensterben seit dem Untergang der Dinosaurier. Zwischen 40 und 50 Prozent aller Arten auf der Erde könnten Mitte des Jahrhunderts ausgelöscht sein. Ein Viertel aller Säugetierarten ist derzeit vom Aussterben bedroht – gegenüber einer natürlichen Aussterberate von nur einer Art alle 700 Jahre. Organisieren wir uns zum Schutz der biologischen Vielfalt.

Das Recht für jede und jeden auf angemessenen Wohnraum, sauberes Wasser, Verkehr, Wärme und Licht ist gut für Klima und Beschäftigung. Organisieren wir uns, um sicherzustellen, dass Wasser, Verkehr und die Isolierung und Renovierung von Wohnungen unter der Kontrolle der Beschäftigten und Nutzenden produziert und kostenlos bereitgestellt werden.

Der produktivistische und konsumistische Wahnsinn bei Möbeln, Textilien, Elektronik, Verpackung etc. hat viel zur globalen Erwärmung beigetragen. Lehnen wir Einwegprodukte ab und solche, die einen geplanten Verschleiß haben, nicht repariert werden können oder nicht recycelbar sind. Organisieren wir uns, um die Beschäftigten dieser Sektoren zu unterstützen, vor allem in Ländern, in denen die Löhne niedrig sind.

Die Beschäftigten sollen nicht die Kosten des Umbaus tragen. Beschäftigte in unnützen, schädlichen oder verschmutzenden Branchen sollten für die kollektive Umstellung ohne Lohnverlust eintreten, um sozial sinnvoll und umweltbewusst zu produzieren.

Das Recht auf freie Zeit ist gut für das Klima, für die Gesundheit und für die Beschäftigung. Mobilisieren wir dafür, dass jede und jeder weniger, weniger schnell und weniger flexibel arbeiten muss durch die Verkürzung der Arbeitszeit ohne Lohnverlust, mit verbindlichen Neueinstellungen und Reduzierung der Arbeitsrhythmen.

Die Fossil-Multis und die Banken blockieren die Umstellung. Fordern wir den Abzug der Investitionen aus diesen Sektoren. Vertreiben wir den privaten Sektor aus Energie und Finanzen, ohne Entschädigungen oder Rückkauf. Dies ist die unbedingt erforderlich, damit wir den Übergang schnell und vernünftig organisieren können. Energie ist ein Geschenk der Natur, sie darf niemandem gehören. Mobilisieren wir für einen öffentlichen Energiedienstleister, dezentralisiert und unter der Kontrolle der Beschäftigten und Nutzer.

Ökosozialismus oder Barbarei

Die Klimakrise gibt der Alternative „Sozialismus oder Barbarei“ eine große Aktualität. Eine wirkliche Revolution ist notwendig. Alles muss verändert werden! Nicht nur, um die Früchte unserer Arbeit gerecht zu verteilen, sondern auch, um zu entscheiden, was wir produzieren und wie wir produzieren – ohne Werbung und Verschwendung – und die Rollen, die der patriarchale Kapitalismus Männer und Frauen zuweist, in Frage zu stellen.

Kurz gesagt, es geht um eine Veränderung der Zivilisation, den Übergang zu einer neuen öko-sozialistischen, öko-feministischen Gesellschaft, die auf Solidarität und Respekt für die Umwelt beruht. Eine Gesellschaft, in der die wichtigsten Management-Entscheidungen, die Prioritäten von Produktion und Konsumtion nicht mehr von einer Handvoll profitgesteuerter AusbeuterInnen, BürokratInnen oder Pseudo-ExpertInnen getroffen werden, sondern von allen. Dieser Wandel wird nicht durch Wahlen kommen, sondern nur durch unsere Kämpfe. Alle zusammen können wir ihn durchsetzen, wenn wir wollen!

Vierte Internationale, 21. September 2015

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